Tenor Rene Kollo verteidigt Wagner gegen Antisemitismus-Vorwürfe

Vortrag im Theater Dortmund

Was Tenor Rene Kollo über Wagner in seinem Buch schreibt, ist auf den ersten Blick provokant: "Wagner war kein Antisemit. Und auch kein Frauenfeind und Verschwender", betont der 77-Jährige. In einem Vortrag beim Wagner-Verband im Opernhaus Dortmund erklärte er am Sonntag, wie er das meint.

DORTMUND

, 01.03.2015, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Tenor Rene Kollo verteidigt Wagner gegen Antisemitismus-Vorwürfe

Der Sänger Rene Kollo hielt in Dortmund einen Vortrag über Wagner.

Man müsse das, was Wagner in seinem Pamphlet "Das Judentum in der Musik" geschrieben hat und was ihn als Antisemit abstempele aus der Sicht des 19. Jahrhunderts sehen und nicht in der Rückschau nach dem Holocaust, so Kollo: "Im 19. Jahrhundert war das eine völlig normale Diskussion. Der Untergang des Judentums und die Frage, zum Katholizismus überzutreten, war das Thema. Und eins, das angesprochen werden konnte, weil es keine Pogrome gab."

Diffamierend dargestellt

Nach 1945 sei jedoch alles, was Wagner über die Juden im 19. Jahrhundert geschrieben hat, diffamierend dargestellt worden.

"Wenn die Juden später zu Musik von Wagner in die Gaskammern geführt wurden und in Bayreuth Hakenkreuze vom Bahnhof bis zum Festspielhaus hingen, geht das den Menschen allerdings nicht so leicht aus dem Kopf", so Gotthard Popp, Vorsitzender des Dortmunder Wagner-Verbandes und langjähriges Mitglied des Festspielorchesters.

Keine Kritik

Cosima und Winifred seien die Hitler-treuen Familienmitglieder gewesen. "Richard Wagner hatte damit nichts zu tun", so Kollo: "Mein Buch soll anregen, darüber nachzudenken, die Antisemitismus-Vorwürfe aus der Sicht des 19. Jahrhunderts zu beurteilen." Im Publikum meldeten sich Besucher zu Wort, die Kollos These unterstützen, Kritik gab es nicht.

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