Tess Gerritsen beschreibt Albtraum mit Geige und Baby

Mord am Hellweg

Sie gehört zu den beliebtesten und erfolgreichsten Krimi-Autoren der Welt - am Donnerstag, 15. September, stellt Tess Gerritsen ihren neuen faszinierenden Thriller "Totenlied" bei einer Lesung im Lüner Heinz-Hilpert-Theater vor. Zusammen mit Schauspielerin Claudia Michelsen liest sie Passagen aus dem Buch und wird auch musikalisch die Krimi-Fans überraschen. Beate Rottgardt sprach mit der Amerikanerin auch über Schweine.

LÜNEN

, 07.09.2016, 14:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tess Gerritsen beschreibt Albtraum mit Geige und Baby

Bestseller-Autorin Tess Gerritsen liest am 15. September in Lünen.

Was war zuerst da - die Idee fürs Buch oder Ihre musikalische Komposition? Die Idee fürs Buch. Ich war an meinem Geburtstag in Venedig und hatte einen Albtraum. Darin spielte ich Geige neben einem Baby. Und durch die Musik wurde das Kind zu einem Monster. Einen Monat später, als ich schon an dem Buch schrieb, hatte ich wieder einen Traum. Und wachte mit der Melodie von "Incendio" (die Komposition spielt im Buch eine große Rolle, Anmerkung der Redaktion) in meinem Kopf auf. Ich hab sie auf dem Klavier gespielt und mit meinem Smartphone aufgenommen.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine historische Geschichte mit einem aktuellen Thriller zu verbinden? Am Tag nach dem Albtraum war ich in Venedig unterwegs. Dabei kam ich zum jüdischen Viertel und sah eine Erinnerungstafel für die Menschen, die im Krieg deportiert worden waren. Der Name Todesco stand dort mehrmals. So kam ich auf die Idee, beide Geschichten zusammen zu bringen.

Sie stellen Ihr Buch zuerst in Venedig vor, wo ja ein großer Teil spielt. Wann haben Sie dort fürs Buch recherchiert? Dass wir die Lese-Reise in Venedig starten, war eine Überraschung des Verlags für mich. Ich bin schon eine Woche vorher in Italien, weil dort Freunde von mir heiraten. Bislang war ich drei Mal in Venedig. Als ich durch das jüdische Viertel lief, habe ich mir die Umgebung dort genau gemerkt. Als ich dann zu Hause in Maine beim Schreiben saß, habe ich die anderen Schauplätze wie die Rialto-Brücke aus der Erinnerung geschildert.

Woran arbeiten Sie zur Zeit? Ich habe mit meinem Sohn Josh Anfang des Jahres den Horrorfilm "Island Zero" gedreht. Jetzt arbeiten wir gerade an einem Dokumentarfilm über Schweine.

Wieso über Schweine? Es sind sehr intelligente Tiere. Aber es geht auch darum, dass manche Leute sie nicht als Nahrung wollen. Ich bin Chinesin, wir essen alles. Für mich ist es ungewöhnlich, dass es Menschen gibt, die aufgrund ihres Glaubens kein Schweinefleisch essen. Wir werden gemeinsam um die Welt reisen und die verschiedenen Aspekte zu diesen Tieren recherchieren.

Mögen Sie die Fernsehverfilmung von "Rizzoli and Isles", haben Sie sich Ihre Hauptfiguren so vorgestellt? Als ich die Bücher schrieb, hab ich mir Jane Rizzoli als eher unattraktive Frau vorgestellt, nun spielt sie eine sehr schöne Schauspielerin. Und bei Dr. Maura Isles dachte ich an eine Dunkelhaarige - gespielt wird sie von einer Blondine. Aber ich mag die Serie, sie ist in den USA sehr, sehr beliebt. Nach sieben Jahren endet sie nun aber mit der letzten Staffel. Bei den Büchern geht es weiter, ich habe gerade Band 12 beendet.

Machen Ihnen Lesungen Freude? Ich mag es, meine Leser zu treffen. Auch wenn es in Deutschland etwas schwieriger ist, weil wir ja immer in Deutsch und in Englisch lesen. Auf diese Lese-Reise freue ich mich besonders, weil sie für mich viel Neues bereit hält. Und ich auch zum ersten Mal Musik mit einem bekannten deutschen Geiger auf der Bühne spiele.

Welche Art von Literatur lesen Sie selbst gern? Non-Fiction. Ich bin sehr wissbegierig, finde es gut, wenn ich beim Lesen etwas lerne. Ich mag Historisches ebenso wie Bücher übers Essen. Wahrscheinlich weil mein Vater ein Meeresfrüchte-Restaurant in San Diego hatte.

Die Lesung mit Tess Gerritsen findet im Rahmen des Festivals "" am 15. September um 20 Uhr im Lüner Heinz-Hilpert-Theater, Kurt-Schumacher-Straße 41, statt. Tess Gerritsen liest mit der Schauspielerin Claudia Michelsen aus ihrem Buch und spielt am Klavier den Walzer aus "Totenlied". Begleitung: Joerg Widmoser (Modern String Quartet). Karten im Vorverkauf kosten 22,90 /19,90 Euro, an der Abendkasse 27/24 Euro im Kulturbüro, Tel. (02306) 104 22 99.

Lesen Sie jetzt