Testph(r)asen für´s Herz

WITTEN Wahre „Tonräuber“ gingen Talentfahnderin Birgit Wessel am Sonntag im ArtOrt ins Netz: Liedermacher Mario Siegesmund und das Duo Jutta Wilbertz & Norman Eric Kunz feierten eine klangvolle Premiere, während Micki Wohlfahrt sein „Heimspiel“ zu einem äußerst harten Test der Lachmuskeln nutzte.

von Von Dietmar Bock

, 14.01.2008, 12:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der ansonsten klerikal aufklärende Kirchen-Kabarettist Micki Wohlfahrt  verarbeitet mit dem Programm unter dem Motto „Testest Du noch oder lebst Du schon?“ seine posttraumatischen Erlebnisse und lässt mit seinen "Testph(r)asen" an den mittlerweile unser Leben bestimmenden Auswahlverfahren kein gutes Haar. Ob Führerschein-, Schwangerschafts- oder Auto-Test - diese Art von Prüfungen „verfolgen einen in allen Lebenslagen“.

A 40: 8,9 Kilometer in zwei Stunden

„Vor allem die Autoindustrie ist testgeil“, weiß der Experte, doch: „Wat soll ich denn hier im Ruhrgebiet mit dem Luftwiderstand? Die A 40 und Luftwiderstand? Das geht doch gar nicht, da steht man doch nur“. Für ein 8,9 km langes Teilstück benötigte er über zwei Stunden, brachte es zwischendurch ´mal auf die Höchstgeschwindigkeit von 18 km/h.

Daneben gibt's auch kuriose Tests, wie unter anderem den „Zulassungstest für Beipackzettel“, bei dem getestet wird, ob Beipackzettel verständlich sind. Selbstverständlich, dass er da die Lacher auf seiner Seite hatte.

Handgemachte und ehrliche Musik

Was für´s Herz brachten Liedermacher Mario Siegesmund aus Hamm und das Kölner Duo Wilbertz & Kunz zu Gehör. Selbstkomponierte, handgemachte und ehrliche Musik überzeugte die Ohr- und Augen-Zeugen in der Studiobühne.

Siegesmund sang von wahrer Liebe, dem Leben an sich und begleitete sich exzellent auf seiner Klampfe selbst. Da spürte man bei „Kleine Dinge“, „Der letzte Tag“, „Trockenzeit“ und „Der Rest ist uns egal“ echte Gefühle, die dem Sänger spürbar nicht egal sind. Im Gegensatz zu seinem Song „Nicht echt“ war bei ihm alles echt - und echt gut.

Mit dem Auszug aus ihrem aktuellen Programm „Ich kann nichts dafür“ sorgten Jutta Wilbertz & Norman Kunz dafür, dass sie jede Menge Applaus erhielten - und das zurecht.

Sklavin der Firma rächt sich kurios

Mit ihren Eigenproduktionen, einem Mix aus Chansons, Theater und Kabarett trugen sie ebenso kritische (“Hundehäufchen“) wie komische („Statt Leben ohne Fleisch lieber Fleischeslust als Körnerfrust“) und gar makabere Stücke (Die Sklavin der Firma, die ihren Chef und Kollegen recht kurios umbringt) vor, die alle aus dem Alltag entlehnt, aber in der Art und Weise, wie sie die beiden Kölner intonieren, nicht alltäglich sind.