"The Party" eröffnet internationales Frauenfilmfestival

4. bis 8. April in Dortmund

Janet (Kristin Scott Thomas) hat etwas zu feiern. Sie wird Englands Gesundheitsministerin und schmeißt eine Fete. Die aber läuft aus dem Ruder und entwickelt sich zum Austausch hässlicher Gemeinheiten. Sally Potters herrlich sarkastische Komödie „The Party“ eröffnet heute (19.30 Uhr, Cinestar) das Internationale Frauenfilmfestival.

Dortmund

, 03.04.2017, 18:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
"The Party" eröffnet internationales Frauenfilmfestival

„The Party“ von Sally Potter (Großbritannien): Auf einer Party läuft plötzlich alles aus dem Ruder, als lange gehütete Geheimnisse der Gastgeber ans Licht kommen.

Es ist dem Festival eine Herzenssache, in der Kino-Landschaft den Beitrag von Regisseurinnen und Autorinnen zu würdigen, Filme abseits des Mainstreams zu zeigen, Frauen aus der Branche ein Schaufenster und Forum zu geben. Die beste Empfehlung sind gute Filme, und mit „The Party“ hat das Festival einen Auftakt nach Maß.

Schwarzer Humor

Das Kammerspiel lebt vom schwarzen, britischen Humor. Potter hat ihren Figuren gallige Dialoge auf den Leib geschrieben, dazu ein Gebräu aus Lügen und Geheimnissen angesetzt, das den Partygästen krachend um die Ohren fliegt. Es macht Spaß, wie „The Party“ die Eskalationsschraube anzieht und die heile Welt der Ministerin im Chaos versackt.

Potter gelingen schöne Charakterskizzen. Da wäre Janet, die mit einer Liebschaft telefoniert, aber mit Bill (Timothy Spall) verheiratet ist. Da sind der esoterisch salbadernde Gottfried (Bruno Ganz) und seine Frau (köstlich als Giftspritze: Patricia Clarkson). Ihr nassforsches „Halt die Klappe, Gottfried!“ wird zum Running Gag.

Biss und Esprit

Eifersucht und enttäuschte Liebe sind Triebfedern dieser Selbstzerfleischung. Englands politische und geistige Elite kriegt ihr Fett weg, das hat Biss und Esprit und ist toll gespielt von einem starken Ensemble, dem auch Cillian Murphy und Emily Mortimer angehören.

Ein Ensemble von Jungdarstellern hat die Französin Dominique Cabrera für „Corniche Kennedy“ (5.4., 20.15 Uhr, Schauburg) versammelt, der wie „The Party“ im Spielfilmwettbewerb des Festivals läuft. Cabrera erzählt von Tagedieben in Marseille, von Dauerferien, die durch Kontakte mit Kriminellen in Gefahr geraten – dicht am Lebensgefühl von Teenagern.

Das Paris der 90er-Jahre ist Schauplatz von Danielle Arbids  „Parisienne“ (6.4., 20.15 Uhr, Schauburg): Die arabische Glückssucherin Lina (Manal Issa) taucht ein in die studentische Szene der Stadt. Überzeugend als Frauenporträt, Milieuskizze und als Sozial-Parabel zur Einwanderung.

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