Thealozzi zeigt Shakespeare in Originalsprache

Sommernachtstraum

Ob es ein Traum ist, oder ob man wach ist - das ist die zentrale Frage, um die sich in Shakespeares Sommernachtstraum alles dreht. Das Thealozzi zeigt das Stück nun in Originalsprache und als Hetzjagd durch die Wüste Texas.

BOCHUM

01.09.2015, 07:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thealozzi zeigt Shakespeare in Originalsprache

Das Stück entführte die Protagonisten von Shakespeares Sommernachtstraum in den Wilden Westen.

Eine Sommernacht in der Wüste Texas. Ein paar unglücklich Verliebte inmitten einer blutigen Hetzjagd. Julie Stearns (Regie) präsentiert Shakespeares Sommernachtstraum mit ihrer Inszenierung, die die Protagonisten von Athen in den Wilden Westen entführt, in einem interessanten und oft blutroten Licht. Doch auch zwischen Gewehrkugeln und Amors Pfeilen fragte man sich am Samstagabend im Kulturhaus Thealozzi: Träumen wir oder sind wir wach? A Midsummer Night’s Dream lautet der Originaltitel des Stücks: Und unter diesem wurde es vom Ensemble Only Connect! in englischer Sprache aufgeführt. Für die Zuschauer sichtlich mehr eine willkommene Abwechslung als eine Herausforderung. Denn trotz Dialekten und von Emotionen gebeutelten Stimmen wurde bei jeder Pointe mitgelacht und bei jedem dramatischen Moment mitgezittert. Und beides gab es bei Stearns Umsetzung zuhauf.

Ensemble überzeugt

Im Mittelpunkt des Stückes steht unter dem Schein des Mondlichts der einsame Goldgräber Nick Bottom (Timo Knop), der die einmalige Gelegenheit bekommt, mit seinen Freunden das Schauspiel „Pyramus und Thisbe“ für die Hochzeit des Herzogs aufzuführen. Bottoms Freunde sind alle imaginär, werden alle von ihm gesprochen – mal ganz schüchtern, mal laut und aggressiv und mal tief und erhaben. Knop erobert die Herzen des Publikums mit irrem Blick, viel zu breitem Lächeln und mit einem quietschenden Eselkopf aus Holz binnen Sekunden. Doch auch das restliche Ensemble weiß zu überzeugen. Sahar Raie als unglücklich verliebte Helena, die ihr Herz samt ihrem Stolz in den Wüstensand zu Demetrius‘ (Jan Frede) Füßen wirft. Titania (Saskia Kuhnert) und Oberon (Ralf Ricken), die hier kurzerhand zu Indianerhäuptlingen werden. Die beiden unglücklich Verliebten Hermia (Lisa Gier) und Lysander (Alexander Kupsch), die aus Verzweiflung gemeinsam in die Wüste fliehen. Und dann ist da Puck, gespielt von Elena Papapavlou, deren Liebeszauber vollkommen außer Kontrolle gerät.

Traumsequenz

Sie alle wickeln das Publikum um den Finger und entführen es in die Wüste – in einen verwirrenden Traum, der zeigt, dass sich Liebe und das Chaos, das sie auslösen kann, nicht aufhalten lässt. Hier endet das Chaos, wie es begonnen hat: In einer wilden und blutigen Hetzjagd durch die Wüste. Es kommt das Erwachen – und dieses lässt sowohl das Publikum als auch die Protagonisten atemlos zurück. Und wie alle fragt sich Lysander passenderweise: „Are you sure we are awake?“ („Seid ihr des Wachens denn gewiss?“). Denn bis zum Schluss will das Gefühl nicht weichen, dass man schläft... 

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