Theater Gegendruck zeigt Episoden aus der "Ästhetik des Widerstands"

Bildkräftige Sprache

Politische Stoffe mit ästhetischem Anspruch – das ist das Programm vom Theater Gegendruck. Jetzt setzt sich das Theaternetzwerk aus dem Ruhrgebiet zum dritten Mal mit Peter Weiss auseinander. Und wagt sich an dessen Mammutwerk „Die Ästhetik des Widerstands“. Die Premiere findet am Sonntag (30.) um 20 Uhr im Bahnhof Langendreer statt.

BOCHUM

von von Ronny von Wangenheim

, 26.09.2012, 16:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Drei in sich geschlossene Episoden hat Regisseur Johannes Thorbecke sich für die Inszenierung von "Passage" ausgesucht.

Drei in sich geschlossene Episoden hat Regisseur Johannes Thorbecke sich für die Inszenierung von "Passage" ausgesucht.

Anders als das Schauspiel Essen, das im Mai das in zehn Jahren entstandene dreibändige Werk in seiner Gesamtheit auf die Bühne brachte, hat sich Thorbecke für drei Episoden entschieden, die jede eine geschlossene Geschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Widerstandskämpferin Lotte Bischoff, die aus dem schwedischen Exil ins faschistische Deutschland zurückkehrt. „Geschildert wird die Innenwelt der Protagonistin, die Zerrissenheit einer Person, die ihre Heimat verlassen musste, jetzt zurück kommt und sich nicht heimisch fühlt“, erläutert Thorbecke. Der Regisseur besetzt die Rolle mit zwei Schauspielerinnen, kann so die Tag- und die Nacht mit ihren Alpträumen zeigen.

In einer weiteren Episode wird die Odyssee der Eltern des Ich-Erzählers auf ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland gezeigt. Eingerahmt werden diese beiden Teile von einem Rückblick auf den Mai 1945. Der Regisseur setzt ganz auf die bildkräftige Sprache von Peter Weiss, die innere Bilder entstehen lasse. So werden die Schauspieler den Originaltext des Romans sprechen. Zum Ensemble konnte Thorbecke hochkarätige Gäste verpflichten. Andreas Weißert blickt auf eine 50-jährige Bühnenkarriere zurück. Aus Berlin stößt Tänzerin und Performerin Janne Gregor dazu. „Der Name Peter Weiss hat in der Kunstszene eine große Ausstrahlung“, erzählt Thorbecke. So gelang es ihm mühelos, die internationale Jazz-Formation „Das Kapital“ zu verpflichten, das die Bühnenmusik komponiert und eingespielt hat.