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Theater im Oberdorf zeigt "Klappe zu, Affe tot"

Erfolgreiche Premiere

Autor Tom Müller plagt sich mit seinen Romanfiguren herum: Sie hüpfen höchst lebendig durch sein Arbeitszimmer, setzen sich auf den Schreibtisch und werden auch schon mal handgreiflich. Im neuen Stück "Klappe zu, Affe tot!" des Theaters im Oberdorf geht es ganz schön turbulent zu.

INNENSTADT

von Von Cordula Rode

, 22.07.2011
Theater im Oberdorf zeigt "Klappe zu, Affe tot"

Die Figuren des gestressten Autors Tom (Hans-Bernhard Knaup) führen ein Eigenleben.

Im neuen Stück des Theaters im Oberdorf („TheO“) verselbständigen sich die Ideen und Figuren eines gestressten Schriftstellers und führen ein erstaunliches Eigenleben, das ihn an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt. Assistiert von der hübschen Kommissarin Isabelle Klug (Jessica Jahning), entwirft Tom (Hans-Bernhard Knaup) Szenarien, die aber von den Figuren selbst boykottiert werden. Mrs. Nannen (Ilona Kube-Jakobson), die freundliche alte Dame, weigert sich, zu morden und taucht stattdessen in der späteren Handlung als Hobby-Detektivin wieder auf.

Auch der kruden Story um eine als Kind gemobbte Massenmörderin verweigern sich die Figuren – erst die Geschichte um einen vermeintlichen Mord im Kaff Ober-Winzig findet Gnade vor den Augen der kritischen Phantasiegeschöpfe. Das Ensemble, theaterbegeisterte Laienschauspieler aller Altersstufen, hat das Stück selbst geschrieben. Die Regie führt Britta Lennardt, Gründerin des „BrilLe Theaters“. Sie leitet gemeinsam mit Jessica Jahning, die auch zum Ensemble des „theaterspiels“ von Beate Albrecht gehört, das Theater im Oberdorf, ein Projekt der Baptistengemeinde. Mit viel Spielfreude und mitreißender Begeisterung füllen die Darsteller die teilweise für sie maßgeschneiderten Rollen aus.Die Idee, Romanfiguren zum Leben zu erwecken, bietet natürlich Anlass für viele absurde Situationen – so rätselt Assistent Theo Weise (Stefan Will), welches Kartenspiel die Verdächtigen da eigentlich so hingebungsvoll gespielt haben, bis sich herausstellt, dass Autor Tom weder Skat noch Mau Mau beherrscht und deshalb einfach seiner Phantasie freien Lauf gelassen hat. Auch die Anfangsszene, in der der Autor potenzielle Begleiter für seine Kommissarin entwirft, die dann leibhaftig erscheinen, bei Missfallen aber ebenso schnell wieder entsorgt werden, ist absolut gelungen.

Dass das Skript im ersten Teil eher als Episoden-Folge angelegt ist, sorgt im zweiten Teil der eigentlichen Kriminalgeschichte für einige Längen und leichte Ermüdungserscheinungen. Hier wäre ein etwas strafferer Handlungsfaden wünschenswert gewesen. Diese Schwäche wird aber durch die liebenswerten Figuren wie die dauerbetrunkene Dorfpolizistin und den herrlich schrägen Clown Fillipo („Was für ein bescheuerter Name für einen Clown!“) wieder wettgemacht. Am Ende wird das engagierte Ensemble im ausverkauften Saal zu Recht mit stürmischem Applaus gefeiert. Weitere Aufführungen des Stückes gibt es im Oktober.