Theater in Deutschland sind Dauerbaustellen

Kostenexplosion und Verzögerung

Ob Berlin, München, Köln oder Frankfurt - viele Theater- und Opernhäuser in Deutschland sind marode und müssen saniert werden. Kostenexplosionen, Fehlplanungen und oft jahrelanges Ausweichen auf Ersatzspielstätten zehren an den Nerven der Ensembles und der Behörden. Wiedereröffnungen verschieben sich Jahr um Jahr. Unter solchen Bedingungen die Zuschauer zu halten, wird zur Kunst für sich. Eine Übersicht über acht große Dauerbaustellen. Die Gesamtkosten allein für diese Sanierungen summieren sich auf fast zwei Milliarden Euro:

DÜSSELDORF

von Von Dorothea Hülsmeier, dpa

, 28.12.2016, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Theater in Deutschland sind Dauerbaustellen

Die Theater in Deutschland – wie hier das Festspielhaus in Bayreuth – sind Millarden-Baustellen.

Berlin

Die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden ist eine der größten Berliner Baupannen. Statt 239 Millionen Euro wird die Renovierung wohl mehr als 400 Millionen kosten und drei Jahre länger dauern. Am 3. Oktober 2017 soll das Ensemble von Intendant Jürgen Flimm und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim das Haus wieder beziehen.

 

Köln

Die Sanierung der Kölner Bühnen (Opern- und Schauspielhaus) wird nach derzeitigem Stand 404 Millionen Euro kosten. 2015 wurde deutlich, dass die Arbeiten mindestens drei Jahre länger dauern und wenigstens 100 Millionen Euro mehr kosten als ursprünglich geplant. Wie teuer die Sanierung tatsächlich wird und wann die Bühnen wiedereröffnen, könne man wohl erst im Juni 2017 einschätzen, erklärte der technische Betriebsleiter Bernd Streitberger und listete eine 700 Punkte-Mängelliste auf.

 

Frankfurt

Schauspiel und Oper, die unter einem Dach in einer Doppelanlage untergebracht sind, haben eine alte Heizungs- und Klimatechnik. Eine Generalsanierung könnte bis zu 400 Millionen Euro kosten. Doch bevor endgültige Zahlen auf dem Tisch liegen, entbrannte im Sommer ein Streit um die Zukunft der Städtischen Bühnen. Die Stadtspitze will einen Neubau an anderer Stelle nicht ausschließen. Andere träumen vom Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Schauspielhauses.

 

Stuttgart

Nach der umfassenden Sanierung des 50 Jahre alten Schauspielhauses im Schlossgarten für 40 Millionen Euro steht die Generalsanierung des benachbarten, 100 Jahre alten Opernhauses noch bevor. Geschätzt 400 Millionen Euro wollen Land und Stadt dafür ausgeben. Aktuell läuft die Suche nach einer Ersatzspielstätte, weil das Opernhaus mehrere Jahre geschlossen werden muss.

 

Düsseldorf

Seit Anfang 2016 ist das Düsseldorfer Schauspielhaus wegen der Sanierung im Gebäude und einer angrenzenden Großbaustelle geschlossen, und keiner weiß genau, wann es wiedereröffnet wird. Dem neuen Intendanten Wilfried Schulz wurde nur scheibchenweise offenbart, dass der 60er-Jahre-Bau über mehrere Jahre geschlossen bleibt. Schulz vagabundiert mit seiner Truppe durch Ersatzspielstätten. Frühestens im Herbst 2018 dürfte das Haus wiedereröffnet werden. Und die Sanierung wird immer teurer. Rund 58 Millionen Euro haben Stadt und Land schon investiert. Kürzlich gaben sie wieder Millionenspritzen frei. Fassaden- und Dacherneuerung werden weitere 20 Millionen Euro verschlingen.

 

München

Das Gärtnerplatztheater wird bereit seit 2012 saniert - eine Dauerbaustelle, deren Ende nicht absehbar ist. Eigentlich sollte das Haus Ende 2015 fertig sein. Die Eröffnung wurde bereits zweimal verschoben. Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs soll erst im Oktober 2017 möglich sein. Teurer als geplant wird die Sanierung auch: 96 statt 77 Millionen Euro wurden zuletzt veranschlagt.

 

Dresden

Dresden bekommt gerade sechs moderne Bühnen. Kürzlich öffnete eine fast 100 Millionen Euro teure neue Kulturstätte. Das frühere Kraftwerk Mitte wird ein Musentempel für die Staatsoperette und das Theater Junge Generation. Parallel dazu wurde der zu DDR-Zeiten eröffnete Kulturpalast für fast 90 Millionen Euro umgebaut. Dort entsteht bis April 2017 unter anderem ein Saal für die Philharmonie.

 

Bayreuth

Für die Sanierung des Bayreuther Festspielhauses aus dem 19. Jahrhundert sind 30 Millionen Euro einkalkuliert. Unklar ist, ob es dabei bleibt. Der zeitliche Rahmen wird auf jeden Fall gesprengt. Ursprünglich rechneten die Wagner-Festspiele damit, dass die Arbeiten acht Jahre, bis 2023, dauern. Nun aber sollen sie erst bis 2026 abgeschlossen sein.