Theater zeigt: Nichts ist gut, weil der Westen leuchtet

Schauspiel Essen

„Sind wir schon da? Ist das der Westen? Mama, sind wir schon da?“ Eine Familie übersiedelt aus „Dunkel-Deutschland“ in den goldenen Westen. Es ist mehr als ein Ortswechsel. Der Umzug kappt alle Wurzeln, er erschüttert die Familie.

ESSEN

, 15.06.2015, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Theater zeigt: Nichts ist gut, weil der Westen leuchtet

Ines Krug und Silvia Weiskopf an den Hochsitzen.

Henriette Dushe erzählt vom Verlust der Geborgenheit, von der Mühe, in einem neuen Leben anzukommen, wenn man das alte als Ballast mit sich trägt. „Von der langen Reise auf einer heute überhaupt nicht mehr weiten Strecke“ heißt ihr Stück, mit dem sie bei den dritten Essener Autorentagen („Stück auf!“) gewann.  

Am Sonntag wurde das Familien-Psychogramm in der Essener Casa uraufgeführt. Ivna Zic führte Regie und krönt einen klugen, vielschichtigen Text mit einer sensiblen, lebendig gespielten Inszenierung.

Seelenlandschaft einer Mutter

Auf der (bis auf vier Hochsitze) kahlen Bühne haben wir freien Blick auf die Seelenlandschaft einer Mutter (gut: Ines Krug) und ihrer vier Töchter.

Dushe fängt vieles ein: Das Klima in der DDR, wo die Stasi die Ausreisewilligen belagert. Die Stimmung aus Erwartung und Angst, die sich in der Familie breit macht. Während Mama endlose Inventarlisten erstellt, quengeln die Mädchen.

Das Stück trifft präzise die Tonlagen: Hier die Mädels, dort die Mutter, die bei aller Sorge ihren Küken Nestwärme geben will. Ein Mosaik aus Erinnerung und Befindlichkeit, ein deutsch-deutsches Gefühls-Barometer. Nichts ist gut, nur weil der Westen leuchtet.


Termine: 26. 6. und ab 26. 9., Karten: Tel. (0 2 01) 812 22 00.