Thomas Olbricht hat alle Richter-Editionen vereint

Ausstellung im Folkwang-Museum

Er war Chemiker, er war Arzt - und schon seit seiner Kindheit ein begeisterter Sammler. Nach Spielzeugautos und Briefmarken zog es Thomas Olbricht zur Kunst. Heute besitzt er mit rund 4000 Werken eine der größten Privatsammlungen Europas. Seine persönliche "Goldmedaille" ergatterte Olbricht mit dem kompletten Editionswerk Gerhard Richters, zu sehen im Museum Folkwang Essen.

ESSEN

, 13.06.2017, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kunstsammler Thomas Olbricht komplettierte in diesem Jahr das Editionswerk Gerhard Richters. Dazu gehören auch farbenreiche Teppiche. Olbrichts Sammlung zählt mittlerweile rund 4000 Kunstwerke.

Kunstsammler Thomas Olbricht komplettierte in diesem Jahr das Editionswerk Gerhard Richters. Dazu gehören auch farbenreiche Teppiche. Olbrichts Sammlung zählt mittlerweile rund 4000 Kunstwerke.

1948 wurde Thomas Olbricht im sächsischen Wernesgrün geboren. Nach der Schule studierte er Chemie und promovierte in diesem Fach. Er absolvierte anschließend ein Medizinstudium, erhielt eine Professur an der Universität Essen und gründete eine Praxis für Endokrinologie.

Editionswerk ist ein Meilenstein der Karriere

Zudem ist Olbricht ein Erbe der Wella AG und ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens.

Einen Meilenstein seiner Sammlerkarriere erreichte der 69-Jährige 2017 mit der Komplettierung des Editionswerkes von Gerhard Richter, das aktuell im Museum Folkwang in Essen ausgestellt ist.

Ein erhobener Daumern ist die Kirsche auf der Torte

"Das gibt es nur einmal auf der Welt", sagt Olbricht. Die Kirsche auf der Torte hat Gerhard Richter selbst serviert: seinen erhobenen Daumen. Die simple Geste sei für Olbricht wie "eine Art Goldmedaille bei den Olympischen Spielen" gewesen.

Vor allem sein Großonkel Karl Stöher inspirierte Olbricht als jungen Studenten zum Sammeln von Kunst. Und obwohl er sich seit seiner Kindheit für Kunstwerke interessiert, begann seine Leidenschaft mit einem Klassiker: Briefmarken.

Brasilianische Briefmarke ist Olbrichts Schwarm

Und auch heute noch kitzelt ein seltenes Exemplar seine Passion. Noch im Frühjahr 2017 schwärmte er, nachdem er das Projekt Richter-Editionen abgeschlossen hatte, von der "Nr. 1 von Brasilien".

Olbricht gestand sich jedoch auch die Schwierigkeit der Beschaffung dieser seltenen Marke ein. Der Markt erlebe gerade einen starken Aufwind, erklärte er.

Sammlung wird seit 2010 in Berlin präsentiert

Doch jetzt, nur zwei Monate später, kann er das ersehnte Stück endlich sein Eigen nennen.

Seit Mai 2010 wird die Olbricht Collection, die Arbeiten vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zur jüngsten Gegenwartskunst umfasst, im Berliner "me Collectors Room" präsentiert.

Neben angesagten Künstlern immer wieder Entdeckungen

Auch andere Sammler sind eingeladen, dort ihre Kollektionen vorzustellen. Das Haus an der Auguststraße beherbergt außerdem die Wunderkammer Olbricht mit über 200 Exponaten aus der Barock- und Renaissancezeit.

Auf seinem Weg hat Thomas Olbricht nicht nur Arbeiten angesagter Künstler wie Richter, Thomas Schütte oder Marlene Dumas zusammengetragen. Auch Entdeckungen mache er immer wieder, sagt er.

Leidenschaft vermitteln und Freude bereiten

Jedoch würden diese eher für ihn persönlich stehen, als für die Positionierung auf dem Kunstmarkt.

Das Wichtigste, das Thomas Olbricht in den 40 Jahren als Kunstsammler gelernt habe, sei es, Gleichgesinnte zu finden und "seine Leidenschaft an viele andere Menschen, egal wo sie herkommen, zu vermitteln und ihnen letztlich Freude zu bereiten".

Man braucht ein gewisses Suchtpotenzial

Man brauche dazu auch ein gewisses Suchtpotenzial und müsse an den Künstler und sein Werk glauben. Über die Zukunft seiner Sammlung habe er noch nicht nachgedacht, sagt Olbricht: "Aber ich habe fünf Kinder."

: "Gerhard Richter. Die Editionen", bis 30.7.2017, Museumsplatz 1, Di-So 10-18 Uhr, Do/Fr 10-20 Uhr, Eintritt 8 (ermäßigt 5) Euro, Booklet: 12,80 Euro. 

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