Thorsten Legat bereut seine Biografie nicht

Über Missbrauch geschrieben

„Wenn das Leben Foul spielt“ heißt die Biografie von Ex-Fußballprofi Thorsten Legat, die letzten Herbst erschienen ist und kontrovers diskutiert wurde. Legat berichtet darin auch von seiner Kindheit, die von Gewalt und sexuellem Missbrauch geprägt war. Dafür wurde er auch kritisiert - trotzdem sagt er heute: "Ich würde das immer wieder schreiben."

BOCHUM

von Stephan Kottkamp

, 13.02.2015, 06:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thorsten Legat bereut seine Biografie nicht

Für Thorsten Legat ist sein Buch ein Befreiungsschlag: »Viele Menschen fragen mich, wie ich das alles so lange verschweigen konnte«, sagt er.

Legat galt immer als harter Hund, machte Schlagzeilen, als er einen Nachbarn krankenhausreif prügelte und sich mit einem Schwert gegen eine Gruppe Jugendlicher verteidigte. Auftritte in TV-Shows zementierten das Bild, das man in der Öffentlichkeit von Legat hatte. Dass hinter seinem aggressiven und mitunter schwer nachvollziehbaren Verhalten traumatische Kindheitserlebnisse standen, ahnte bis letztes Jahr kaum jemand.

Mutter um Erlaubnis gebeten

Durch das Buch hat sich Thorsten Legats Bild in der Öffentlichkeit gewandelt. Er berichtet darin nicht nur über sein Leben als Bundesligaspieler, sondern auch über seine Kindheit in Bochum-Werne, die von Gewalt und sexuellem Missbrauch durch seinen Vater geprägt war.

Er habe sich schon lange mit dem Gedanken getragen, sein Leben aufzuschreiben, erzählt der Ex-VfL-Spieler. Als sein Vater vor zehn Jahren starb, wurde dieser Gedanke konkreter und schließlich bat er seine Mutter um Erlaubnis, das Buch schreiben zu dürfen. „Ich bin meiner Mutter sehr dankbar für ihre Zustimmung.“ Erst dann offenbarte er sich auch seiner Frau und seinen Kindern.

"95 Prozent der Reaktionen sind positiv"

Nach Erscheinen des Buches erhielt Thorsten Legat reichlich Resonanz. Die ersten Reaktionen waren nicht nur positiv. Er habe das Buch nur geschrieben, weil er Geld brauche, hieß es dort. Legat: „Solche Kritik ist unbegründet und macht mich wütend.“ So ein Buch schreibe man nicht, um Geld zu verdienen. Schon vor dem Erscheinen des Buches hatte ein ehemaliger VfL-Mitspieler Legat angesprochen und sein Unverständnis für die Buchveröffentlichung geäußert. „Dann hat er das Buch gelesen und sich bei mir entschuldigt.“

Viele ehemalige Kollegen haben sich inzwischen bei ihm gemeldet. „95 Prozent der Reaktionen sind positiv“, freut sich der gebürtige Werner über die Resonanz. Besonders erfreut war Legat über die Reaktion seines väterlichen Freundes Hermann Gerland. Er halte nichts davon, wenn Fußballer Bücher schreiben, „doch mein Buch hat ihm gefallen. Aber ich soll trotzdem keins mehr machen“, sagt Legat und lacht, und an den feuchten Augen merkt man ihm an, welche Bedeutung die Meinung seines Mentors für ihn hat.

Zeit des Schweigens ist vorbei

Auch fremde Menschen, denen durch Eltern oder Ehepartner Gewalt und Missbrauch widerfahren sind, melden sich bei ihm und erzählen von ihren Erfahrungen und ihrem Schweigen. Für Thorsten Legat ist die Zeit des Schweigens vorbei – das mag dem einen gefallen, dem anderen nicht – aber er ist sich ganz sicher: „Ich würde das Buch immer wieder schreiben.“  

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