Thorsten Ohm über das tiefgründige "Echolot"

Buchtipp der Redaktion

Passend zur Frankfurter Buchmesse - auf der auch in diesem Jahr wieder unzählige Lesebegeisterte erwartet werden - haben sich unsere Redakteure ihre Lieblingsbücher vorgenommen, um sie Ihnen vorzustellen. Volontär Redakteur Thorsten Ohm schwärmt für "Das Echolot – Barbarossa 41 – Ein kollektives Tagebuch".

DORTMUND

, 21.10.2016, 12:33 Uhr / Lesedauer: 1 min
Thorsten Ohm über das tiefgründige "Echolot"

Die Buchtipps aus unserer Redaktion.

Walter Kempowski war richtig sauer. Der prominente Autor mochte mit der Kritikerin nicht mehr reden. Daran hat er wohl recht getan damals in jener Fernsehdiskussion, die mir zum ersten Mal dieses Buch näher bringen sollte: „Das Echolot“. Kempowski, den kannte ich von den eher heiter-melancholischen Beschreibungen einer Familiengeschichte, in der sich das Schicksal vieler deutscher Familien im vergangenen Jahrhundert spiegelte. „Tadellöser & Wolff“ hatte es zu TV-Ruhm in Serienformat gebracht. Aber der alte Volksschullehrer hatte anderes im Sinn, als den Mainstream zu bedienen.

An den Spuren der Zeitgeschichte entlang

Walter Kempowski recherchierte jahrelang für das dreibändige „Echolot“, sammelte Berichte von Zeitzeugen der Kriegsjahre ab 1941, als Deutschland die Sowjetunion angriff. Er selbst trat als Autor in den Hintergrund. Stattdessen arrangierte er Fragmente zu einem bedrückenden Ganzen. Wie ein Echolot immer wieder die Tiefen auslotet, tastet sich auch die Collage Walter Kempowskis an den Spuren der Zeitgeschichte entlang. Was wieder zurückkommt an Signalen, verdichtet sich beim Leser zu einem Bild aus apokalyptischer Zeit, das auf fast bedrückende Weise seine Intensität entfaltet.

Das ist große Kunst, und so konnte Kempowski mit Fug und Recht die künstlerische Urheberschaft dafür beanspruchen. Dass die Kritikerin ihm damals vor einem Millionenpublikum genau das absprechen wollte, ist längst vergessen. Sein Werk nicht.

Informationen zum Buch
Walter Kempowski:  Das Echolot – Barbarossa 41 – Ein kollektives Tagebuch (1. Teil des Echolot-Projektes); 736 Seiten, Albrecht Knaus-Verlag, gebunden 49,90 Euro; ISBN: 978-3-8135-0205-3.