Tocotronic im FZW: Neuer Sound und alte Hymnen

Konzertkritik

Mit dem "Roten Album" im Gepäck haben Tocotronic aus Hamburg am Donnerstag im FZW Station gemacht. Zum dritten Mal in fünf Jahren kamen die "Tocos" nach Dortmund. Immer ein Stückchen reifer und doch verspielt wie eine Band in ihren allerersten Tagen.

DORTMUND

, 16.10.2015, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Sänger und Gitarrist der deutschen Rockband Tocotronic, Dirk von Lowtzow. Foto: Henrik Boerger

Der Sänger und Gitarrist der deutschen Rockband Tocotronic, Dirk von Lowtzow. Foto: Henrik Boerger

Große Kulisse braucht nicht viel Zubehör. Bei Tocotronic reicht ein riesengroßer Glitzervorhang für den optischen Zauber. Für den Rest sind Dirk von Lowtzow, Jan Müller, Rick McPhail und Arne Zank da. "Seit 22 Jahren gibt's bei uns keinen Schnickschnack", raunt Sänger von Lowtzow gegen Ende des fast zweistündigen Konzerts den 1200 Besuchern entgegen. Stattdessen: Die klassische Rock-Besetzung, immer noch viel Punk und kluge Gedanken über das Leben.

Liebe und Protest, Krach und wattig-weicher Pop: Tocotronic bedienen über die elf Alben ihrer Bandgeschichte vieles Empfindungen. Das alles ist in Dortmund gegenwärtig. Das neue Album - großes Über-Thema: Liebe - markiert den Start ins Konzert. Die neuen Songs sind ein kleines Wagnis, wie die Band im Vorfeld selbst bekannt hatte.

Sie funktionieren, auch weil die Tocos den Bühnen-Sound, speziell das Schlagzeug, etwas aufgeweicht haben. Bei Songs wie "Prolog", "Ich öffne mich" und "Die Erwachsenen" klingt das gut, weil dahinter Jan Müllers schwerer Bass, von Lowtzows markante Stimme liegen und zwei Gitarren wabern, zirpen und kratzen.

Die frühen Jahre sind präsent

Überraschend präsent: die frühen Tocotronic-Jahre. Die Jahre der Hymnen. "Drüben auf dem Hügel", "Digital ist besser", dazu auch seltene Schätze von den alten Alben ("Die Grenzen des guten Geschmacks"). Das Publikum liebt es, auch wenn der neue Sound bei den alten Punk-Krachern nicht immer funktioniert.

Tocotronic machen harte Musik für "süße, nicht-harte Dortmunder", wie von Lowtzow das Publikum tauft. Die großen Botschaften gibt's in den Zugaben: "Let there be rock" - aber gerne doch. Und schließlich: "Pure Vernunft darf niemals siegen". Ein Loblied auf den Rebell, der in jedem steckt, verpackt in einen Refrain mit ganz viel "Lalala".

Ganz am Ende kommt die Feuerwehr, ein technischer Fehler in der Brandmeldeanlage löst die Standard-Panik-Durchsage aus. Zum Glück erst, als das Konzert zu Ende ist. Es wäre schade um jede Minute gewesen.

So kommentierten Besucher bei Twitter das Konzert von Tocotronic:

 

BRAVO!!!! #tocotronic ihr habt mich umgeblasen! Danke für den Abend und die Lebensbegleitung.

— kay voges (@vogeskay)

 

Schön war es. Let there be rock! #tocotronic#fzwpic.twitter.com/MwP0W9QZQt

— Vollzieher Luckow (@MJKOC76)

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