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Tod bat in der Gemeinde zum letzten Tanz

WELLINGHOFEN Im nächsten Jahr werden wohl auch die großen Konzerthäuser Hugo Distler und dessen 100. Geburtstag ehren. Den 65. Todestag Allerheiligen haben alle übersehen - bis auf Ingomar Kury, der für die Aufführung des "Totentanz" in der Alten Kirche einen Projektchor gegründet hat.

von Von Julia Gaß

, 02.11.2007

Und die Zusammensetzung von dessen 17 jungen Stimmen ist ein Glücksfall und Ergebnis guter stimmbildnerischer Arbeit von Gesangssolistin Sabine Toliver, die auch Chormitglied ist. Der a cappella-Chor mit handverlesenen, sorgfältig von Kury ausgewählten Mitgliedern soll weiter bestehen bleiben - das Eliteensemble wird eine Bereicherung des Konzertlebens im Dortmunder Süden sein.

So voll, wie sonst nur Heiligabend, war die Kirche beim Konzert des selten aufgeführten Werks. Wirkungsvoll hatte Kury den gespenstische Reigen von 14 Spruchmotetten fast wie eine kleine geistliche Oper inszeniert. Der Chor war im Seitenschiff postiert; in der Mitte der Gemeinde stand im schwarzen Umhang auf einem Podest der Tod.

Der ehemalige Berghofer Pfarrer Martin Heider sprach die Aufforderungen des Todes zum letzten Tanz. - Mit so viel Theatralik, leicht schnippischem Tonfall und Ausstrahlung, die ihm mühelos Türen zu einer Schauspielkarriere geöffnet hätten. Die anderen Sprechrollen übernahmen Chorsolisten, auch sehr überzeugend war Martin Bastian als Landsknecht und Bauer.

Distler noch sehr melodisch orientierte, aber rhythmisch äußerst diffizile Musik sang der Chor unter Kurys Leitung mit bewundernswerter Präzision, fließend, sehr illustrativ und geschlossen im Ausdruck. Dass Lechners "Sprüche von Leben und Tod" Vorbild des Komponisten waren, hörte man in einzelnen Lamento-Sätzen. Heike Winter unterbrach die 14 Sprüche der Motette mit Distlers Blockflöten-Improvisationen über "Es ist ein Schnitter, der heißt Tod".

Vorangestellt hatte Kury Bachs Bass-Kantate "Ich habe genug". Gerrit Miehlke sang den Solopart mit einem fast baritonal gefärbten Bass und viel Ruhe. Die führte auch der gut einstudierte und besetzte Kammermusikkreis Wellinghofen weiter. Der Chor baute mit einer Motette von Rolf Schweizer dann eine Brücke in die Moderne.

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