Tönnies: Schweinezerlegung wieder gestartet - Schlachtung zeitweise unterbrochen

Tönnies

Am Donnerstag erste Schlachtungen, am Freitag ein Probelauf der Schweinezerlegung. Bei Tönnies schauen die Behörden nochmals genau hin, bevor die Produktion wieder hochgefahren werden kann.

Rheda-Wiedenbrück

17.07.2020, 08:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies läuft der Betrieb langsam wieder an.

Bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies läuft der Betrieb langsam wieder an. © picture alliance/dpa

Tönnies hat im rund vier Wochen lang stillgelegten Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück einen Probelauf für den besonders virusgefährdeten Zerlegebereich gestartet. Unter der Aufsicht von Behörden sollen nach technischen und organisatorischen Veränderungen dort probeweise wieder geschlachtete Schweine zerlegt werden.

Die Schlachtung lief am Freitag indes nach Beanstandungen bei Kontrollen später als geplant wieder an. Der Arbeitsschutz hatte am Donnerstag Kritik an Positionen der Arbeiter geübt. In der Nacht wurde nachgebessert. Nach der Abnahme durch die Bezirksregierung Detmold ging es dann am Freitagvormittag weiter. In dem Bereich der Zerlegung waren die meisten der insgesamt mehr als 1400 corona-infizierten Mitarbeiter tätig. Mit neuer Filtertechnik, Plexiglas-Trennscheiben und mehr Zuführung von Frischluft will Tönnies in Zukunft die Verteilung von Viren unter den Arbeitern über die Umluftanlage verhindern.

Erneute Zwangspause

Am Donnerstagabend hatten die Behörden den Betriebsstopp für diesen Teilbereich aufgehoben. Bei der Schlachtung gab es am Freitagmorgen hingegen die erneute Zwangspause: Dieser Teil der Produktion werde am Freitag erst später beginnen, teilte ein Tönnies-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. Wann genau das sein sollte, konnte er nicht sagen.

Bei Kontrollen durch die Bezirksregierung sei das Unternehmen am Donnerstagnachmittag darüber informiert worden, „dass wir an Arbeitspositionen zusätzliche Umrüstungen vornehmen müssen“, so der Sprecher. Dies sei auch schon passiert, ein Sachverständiger müsse die Änderungen aber noch abnehmen. Die Zerlegung sei davon nicht betroffen. Nach Angaben eines dpa-Reporters wurden am Freitagmorgen zunächst keine weiteren Schweine in das Werk transportiert.

Hygienekonzept von Tönnies: Belüftung hält stand

Das neue Hygienekonzept von Tönnies sei zwei Wochen lang von verschiedenen Behörden geprüft worden, sagte der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) in einem Interview des Nachrichtensenders „Welt“ am Donnerstag. Es halte vielen Dingen stand, die wichtig waren, insbesondere das Thema Belüftung.

„Ganz wichtig ist, dass durch die jetzt aufgestellten Filter es möglich ist, im gesamten Zerlegebereich, in dem sich das Virus ja auch ausgetobt hat, innerhalb von einer Stunde die Luft drei Mal komplett auszutauschen“, erläuterte der Landrat. Der Probelauf im Zerlegebereich soll zeigen, ob die Dinge im Echtbetrieb so laufen, wie man sich das vorgestellt hat. „Ich bin sehr gespannnt auf das Ergebnis“, erklärte Adenauer.

Permanente Kontrollen seien angebracht

Der Landrat betonte, dass es neben der Lüftung auch um einfache Dinge gehe - etwa, dass die Menschen tatsächlich ihre Masken aufbehalten, dass der Abstand eingehalten wird. „Da gibt es also richtige Aufpasser, sag ich mal, die dafür gerade stehen müssen. Wir sind aber auch als Behörden vor Ort.“

Adenauer hält nach der schrittweisen Wiederinbetriebnahme des Hauptwerkes von Tönnies permanente Kontrollen für angebracht. „Möglicherweise auch - das war mal eine Idee, die mir gekommen ist, ich weiß aber nicht, ob die umsetzbar ist - mit ner Videoüberwachung“, sagte er „Welt“ weiter. „Wir wollen eben, dass die Menschen, die dort arbeiten, dass die keiner Gefahr ausgesetzt sind.“ Es gehe auch weiter um den Schutz der Bevölkerung.

Keine Notschlachtungen in NRW

In Deutschlands größtem Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück wurde am Donnerstag nach der rund vierwöchigen Zwangspause erstmals wieder geschlachtet. Dafür wurden laut Firma rund 8000 Schweine angeliefert.

Unterdessen steht fest, dass Nordrhein-Westfalen keine Notschlachtungen von Schweinen wegen Platzmangels in den Ställen erlauben wird. Das hat NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Freitag in einer Sondersitzung im Düsseldorfer Landtag klargestellt. Eine Tötung von Tieren aus dem Bestand schließe das Tierschutzgesetz aus, sagte sie im Landwirtschaftsausschuss. „Wir werden das nicht unterstützen, falls Anträge kommen sollten.“

„Lage bleibt angespannt“

Der Ausschuss trat mitten in der Sommerpause zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um die Folgen des „Schweine-Staus“ zu erörtern, der nach Coronabedingten Schließungen von Schlachthöfen in Mastbetrieben entstanden ist. Dass der Großschlachter Tönnies nun wieder den Betrieb hochfahre, werde die Situation etwas entspannen, sagte Heinen-Esser. Die Lage werde aber über die gesamte Zeit der Corona-Pandemie angespannt bleiben. Niemand könne davon ausgehen, dass die Schlachtkapazitäten wieder so hochgefahren würden wie vor der Corona-Krise. Ein Systemwandel sei nötig.

Für die betroffene Branche gebe es derzeit mehrere Probleme, erklärte die Ministerin: Neben dem „Schweine-Stau“ in den Ställen, hätten die Erzeuger mit Preisverfall zu kämpfen und müssten sich auf deutlich höhere Hygiene- und Arbeitsschutzstandards einstellen. Zudem seien nun viele Mitarbeiter in die Sommerferien nach Hause gefahren. Die personelle Lage werde sich erst Mitte September wieder entspannen.