Tönnies: Zahlreiche Arbeitsschutzverstöße vor Corona-Ausbruch

Fleischindustrie

Beim Schlachtbetrieb Tönnies gab es schon vor dem Corona-Ausbruch schwerwiegende Arbeitsschutzmängel. Die blieben wegen fehlender Kontrollen jedoch lange unentdeckt - bis zum Corona-Ausbruch.

Rheda-Wiedenbrück

20.09.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies läuft der Betrieb inzwischen wieder.

Bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies läuft der Betrieb inzwischen wieder. © picture alliance/dpa

Beim Schlachtbetrieb Tönnies kam es bereits vor dem Coronavirus-Ausbruch zu Verstößen gegen die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards. Dem WDR zufolge geht dies aus Berichten des Arbeitsschutzes hervor.

Tönnies wurde in der Pandemie erst nach dem Corona-Ausbruch bei der Firma Westfleisch Anfang Mai kontrolliert, zwischen Mitte März und Mitte Mai fanden keine Kontrollen statt. Dabei wurden bei der Kontrolle Mitte Mai „gravierende Mängel im Hinblick auf die Vorgaben der Sars-CoV-2-Arbeitsschutzstandards“ festgestellt.

Von Hygienemängeln zu fehlender Schutzausrüstung

In der Kantine in Rheda-Wiedenbrück wurden den Kontrolleuren zufolge keine Maßnahmen getroffen, um die Anzahl der Sitzplätze zu reduzieren. Zudem wurden die Tische zwischendurch weder gereinigt noch desinfiziert. Die kontrollierten Toilettenräume waren stark verunreinigt, es fehlten laut Bericht zudem Desinfektionsmittelspender. Tönnies räumte die Mängel ein und versprach schriftlich Besserung.

Nachdem sich Mitte Mai mehr als 2000 Tönnies-Mitarbeiter mit dem Virus infizierten, fanden Arbeitsschutzprüfer Ende Juni und Anfang Juli gefährliche Arbeitsplätze bei Tönnies: Darunter gab es laut WDR Absturzgefahren, fehlende Schutzbrillen oder leere Verbandskästen. Zudem seien im Betrieb insgesamt zu wenige Toiletten vorhanden. Tönnies bessert daraufhin nach: Der Konzern ergänzt Geländer, verlegt Arbeitsplätze, füllt Erste-Hilfe-Koffer nach und verweist auf weitere Toiletten in einem Nachbargebäude.

Kontrollen wurden inzwischen verschärft

Die Mängel blieben lange Zeit unentdeckt, doch eine umfangreiche Prüfung war der Bezirksregierung Detmold zufolge erst nach einer vorübergehenden Schließung des Betriebs möglich. Mittlerweile wird der Fleischkonzern jedoch deutlich häufiger kontrolliert: Allein im Juli waren die Arbeitsschützer neunmal im Betrieb.

RND

Lesen Sie jetzt