Topfit fürs Leben trotz Lernschwäche: 100 Jahre Frenzel-Schule in Hörde

HÖRDE Wenn Franz Franzel heute aus dem Lehrerhimmel auf „seine“ Schule am Entenpoth schauen würde, wäre er wohl zufrieden. Er sähe zumeist zufriedene Kinder, einen prächtigen Schulgarten, eine Schulküche, kleine Klassen und engagierte Lehrer.

von Von Julia Gaß

, 16.12.2008, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis heute sind jedoch prozentual nicht mehr oder weniger Kinder als früher förderungsbedürftig. Und auch der Prozentsatz von Migranten ist nicht anders als in anderen Schulen. Viele Umzüge hat die Frenzelschule schon hinter sich: An der Hermannstraße, wo jetzt der Baumarkt ist, war sie beheimatet, später an der Seekante, seit 1979 liegt sie am Entenpoth 34. „Unsere Kinder haben einen Anspruch auf besondere Förderung. Sie konnten in normalen Schulen eben nicht lernen“, betont Hans Albert Jung, seit 1996 Rektor der Frenzelschule. Individuelle Förderung ist den 22 Pädagogen der Schule (auf 14 Stellen) wichtig. Für jedes Kind erarbeiten sie zwei Mal im Jahr ein eigenes Lernprogramm. „Wir machen uns fit für‘s Leben – und ich mach mit“ ist seit 2001 Leitspruch der Schüler. In berufsvorbereitenden Lehrgängen, im praktischen Unterricht im großen, schönen Schulgarten, in den beiden Werkräumen und der Schulküche werden die Jugendlichen fit fürs Leben.

Friseuse oder Garten- und Landschaftsbauer sind Berufe, in denen die Frenzelschüler nach dem Förderschul-Abschluss der Klasse 10 am häufigsten glücklich werden. Seit ein paar Jahren gibt es auch den Schulstempel „Sonderschule“ nicht mehr, mit dem die Kinder als „doof“ abgestempelt wurden. Er wurde durch „Förderschule“ ersetzt. „Damit sind unsere Kinder glücklich, und auch in der Bevölkerung ist die Akzeptanz höher“, meint Jung.„Wenn es uns gelingt, die Kinder ganz konservativ zu Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Fleiß zu erziehen, können wir sie mit großer Beruhigung in die Ausbildung entlassen“, sagt der Rektor. Die Kinder und Jugendlichen seien meist ganz glücklich, weil sie merken, dass es ihnen an der Förderschule besser geht als an der Schule davor. „Manche kommen zu uns mit hängenden Ohren, empfinden sich als Versager.

Dabei ist nicht immer Intelligenz ein Kriterium, dass sie Kinder nicht klar kamen. Oft gibt es nur eine Motivationsschwäche“, weiß der Schulleiter. „Wenn es die Eltern nicht als Schmach empfinden, dass ihr Kind auf der Förderschule ist, und mitziehen, geht es meist schnell bergauf“, sagt Konrektorin Elisabeth Mejza, ein Urgestein der Frenzelschule. Seit 1975 ist sie dort Lehrerin. In den 1950er Jahren wurden alle „Hilfsschulen“ nach Pädagogen benannt. Franz Frenzel, ein Schulleiter aus Slupsk in Pommern, war kaum bekannt. Deshalb ist die Hörder Schule die einzige in Deutschland, die seinen Namen trägt. Auch darauf wäre Franz Frenzel im Lehrerhimmel stolz.