Townsend über Webers Weggang und die Nachfolger-Suche

Finanz-Angst im Theater

Anselm Weber, Intendant des Schauspielhauses, wird Bochum wohl nach der Saison 2016/17 verlassen. Nun spricht Bochums Kulturdezernent Michael Townsend über Webers Weggang und die Suche nach einem Nachfolger. Und er sagt, dass Webers Weggang eindeutig nicht nur künstlerische Gründe habe.

BOCHUM

, 29.04.2015, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Anselm Weber verlässt Bochum wohl nach der Saison 2016/17.

Anselm Weber verlässt Bochum wohl nach der Saison 2016/17.

Dahinter steckt auch die Angst vor weiteren finanziellen Engpässen des Theaters. Hintergrund ist die neue Regel der Stadtverwaltung, den Ausgleich der Tariferhöhungen für ihre Ämter zu deckeln.

„Anselm Weber hat natürlich Angst, dass er die Tariferhöhungen jedes Jahr selber ausgleichen muss“, weiß Kulturdezernent Michael Townsend. Dass die Stadt mit ihrem seit Jahren klammen Haushalt in die Bresche springt, kann er allerdings nicht pauschal versprechen: „Das müssen wir jedes Jahr neu entscheiden.“ 

Er ergänzt jedoch, dass er sich „nicht vorstellen kann, dass die Stadt Bochum ihr Theater in einer schwierigen Situation mit einer solchen Regelung allein lässt.“ Eine Tariferhöhungs-Runde mache in einem Haus dieser Größenordnung schnell eine halbe Million Euro aus.

Bewerber willkommen

Fraglich ist, ob der Kulturdezernent angesichts der unsicheren finanziellen Zukunft des Schauspielhauses mit hochkarätigen Bewerbungen um die Intendantenstelle rechnen kann. In Künstlerkreisen wird zum Beispiel über Frank Castorf diskutiert, der 2017 nach 25 Jahren die Berliner Volksbühne verlässt. 2009 waren immerhin Größen wie Armin Petras, Thomas Oberender oder der inzwischen verstorbene Christoph Schlingensief mit Weber ins Rennen gestiegen.

Michael Townsend glaubt jedoch weiter: „Das Bochumer Theater ist ohne Zweifel eines der attraktivsten Häuser im Land, es gehört zu den Top 5. Wo kann man sonst 1300 Plätze bespielen? Ich möchte mal einen künstlerisch ambitionierten Theatermenschen erleben, der sagt: Bochum ist nicht interessant.“

Qualität des Hauses messen

Die Qualität des Hauses möchte er nicht nur anhand von Einladungen zum Berliner Theatertreffen messen: „Einige Inszenierungen zum Beispiel von David Bösch oder Roger Vontobel hätten es sicher verdient gehabt. Aber Anselm Weber hat mit seinem großen Programm-Spektrum immerhin dafür gesorgt, dass das überregionale Feuilleton wieder in jeder Premiere sitzt.“

Anselm Werbers Nachfolger will Townsend bis spätestens Sommer 2016 in enger Abstimmung mit dem Verwaltungsrat des Schauspielhauses bestimmen, dessen Vorsitzender er ist.

Keine Findungskommission

Die Einrichtung einer Findungskommission halte er wegen der Indiskretionen, die es in einem solch breit aufgestellten Gremium häufig gibt, für kontraproduktiv.

Namen will der Kulturdezernent naturgemäß nicht ins Rennen werfen. „Ein potentieller Intendant muss ein sehr starkes Konzept vorlegen, dass auch berücksichtigt, was bisher passiert ist“, sagt er. „Ein bestimmtes Repertoire wird hier vom Publikum zurecht erwartet.“

Am Donnerstag, 7. Mai, stellen Anselm Weber und sein Team den neuen Spielplan für die Saison 2015/16 vor.