Traditionshandwerk: Brechtener Schmiede schüren das Feuer

BRECHTEN Seit über 150 Jahren werden im Familienbetrieb Schweppe die Eisen aus dem Feuer geholt. Manch einer hat sich dabei schon verbrannt, aber gerade jetzt im Winter schätzt man hier das heiße Arbeitsumfeld. Und für Besucher der Schmiede gibt es noch mehr spannende Einblicke.

von Von Felix Püschner

, 06.01.2009, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Chef persönlich steht am Feuer: Christoph Schweppe schmiedet ein Hufeisen.

Der Chef persönlich steht am Feuer: Christoph Schweppe schmiedet ein Hufeisen.

Lautes Hämmern und Klopfen ertönen, sobald man eine der großen Hallen an der Evinger Straße betritt. Hier liegt ein Schleifgerät, dort ein Hammer, da steht ein ziemlich großer Arbeitstisch. Sieht aus wie eine typische Werkstatt. Aber wo kommt dieser Lärm her? Die Antwort verbirgt sich hinter der nächsten Tür. Hier stehen Christoph Schweppe und seine Lehrlinge vor dem Schmiedeofen und gehen ihrer Arbeit nach.1000 Grad heißes Feuer Heute steht die Produktion von Hufeisen auf dem Programm. Immer wieder wird das Eisen ins 1000 Grad heiße Feuer gehalten, solange bis es gelb glüht. „Dann lässt es sich am besten bearbeiten“, erklärt Schweppe. Anschließend bringt der Schmied das Stück mithilfe eines Hammers in Form. Manche Hufe werden sogar noch in liebevoller Feinarbeit verziert. Wer handwerklich begabt und erfahren im Umgang mit dem glühendheißen Eisen ist, der benötigt kaum länger als eine knappe Viertelstunde für so ein Exemplar. Ruhe bewahren, nicht nervös werden Manchmal braucht ein Schmied jedoch auch Geduld. „Es klappt nicht immer alles gleich auf Anhieb. Da muss man dann Ruhe bewahren und darf nicht nervös werden“, sagt Schweppe weiter. Der riesige Schmiedeofen ist aber nicht das einzige, was beim Besuch des Familienbetriebs auffällt. Schweppe öffnet die nächste Tür und… siehe da, ein Pferdeskelett. „Unser Ausbildungsraum. Hier wird die Theorie vermittelt“, erklärt der Schmied. Mithilfe eines Skeletts? Ja. Immerhin muss so ein Schmied genau über die Anatomie und den Bewegungsablauf eines Pferdes Bescheid wissen, um die Hufeisen entsprechend anpassen zu können.Pferde kommen in die stationäre Schmiede „Als Hufschmied ist man eigentlich so etwas wie ein orthopädischer Schuhmacher für Tiere“, schmunzelt Schweppe. Besonders, wenn man eine „stationäre Schmiede“ führt. Hier kommen die Hengste und Stuten auch noch persönlich vorbei, um sich die Hufe beschlagen zu lassen. Neben der Arbeit mit dem heißen Eisen ist bei den Schweppes auch der Umgang mit den Tieren gefragt. Kein Wunder also, dass Christoph Schweppe die Familientradition weiter fortführen will: „Ich wollte nie etwas anderes machen. Warum auch? Viel abwechslungsreicher geht es doch kaum."

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