Trainspotting 2: Gelungenes Wiedersehen nach 20 Jahren

Im Kino

1996 waren sie die Feierbiester, die das Motto "Verschwende deine Jugend" wörtlich nahmen und zwischen Drogen, Ekstase und Kater lebten. Vier Kumpels aus Edinburgh, die mit Vollgas gegen die Wand bretterten. Was ist geworden aus den traurigen Helden von "Trainspotting"?

DORTMUND

, 15.02.2017 / Lesedauer: 3 min
Trainspotting 2: Gelungenes Wiedersehen nach 20 Jahren

Die Welt steht Kopf, als Simon (Jonny Lee Miller, l.) und Mark (Ewan McGregor) noch einmal zum Heroin greifen.

Mit "Trainspotting 2" wagt Danny Boyle eine Fortsetzung seines Kultstreifens aus den 90ern, der Schuss hätte nach hinten losgehen können: Zu groß ist der Schatten des Vorgängers, womöglich der beste englische Film seiner Dekade.

Keine Sorge - Boyle weiß, was er tut. Inszenatorisch drosselt er das Tempo, nicht aber die Intensität der Geschichte. Jugendlicher Überschwang macht nun einer gewissen Altersmüdigkeit Platz, die Figuren stehen schließlich in ihren Vierzigern.

Zurück in Edinburgh

Nostalgie ist im Spiel, wenn Bilder aus Schultagen aufflackern, Fußball-Gott George Best eine Gedenk-Kerze bekommt und Weißt-Du-noch-Episoden gemeinsamer Beklopptheit Revue passieren.

Erst aber werden alte Rechnungen beglichen. Mark (Ewan McGregor) hatte die Freunde bestohlen und sich mit 16.000 Pfund aus dem Staub gemacht. 20 Jahre später ist er wieder in Edinburgh. Von Simon (Jonny Lee Miller) bezieht er eine Tracht Willkommens-Prügel, die sich gewaschen hat. Kumpel Spud (Ewen Bremner) wäre dazu kaum in der Lage, er hängt an der Nadel und ist ein Wrack.

Loser-Ballade voll grimmigem Witz

"Und was machst du so?" - Simon und seine bulgarische Freundin (Anjela Medyalkova) erpressen betuchte Herren mit heimlich gedrehten Sexvideos. Spud hat einen Sohn, vor dem er sich schämt. Begbie (Robert Carlyle) sitzt im Knast und ist der rabiate Psycho, der er früher war. Als ihm die Flucht glückt, hört Begbie, dass Mark in der Stadt ist. Er schäumt vor Wut.

Nach Motiven des Irvine Welsh-Romans "Porno" erzählt Boyle eine Loser-Ballade voll grimmigem Witz. Scheitern, sich aufrappeln, weitermachen. Kopf hoch im Club der Kaputten! Das hat Züge einer Milieustudie und Sozialreportage, wobei der Thriller nicht zu kurz kommt.

Exzellente Kameraarbeit

Exzellent ist die Kameraarbeit von Anthony Dod Mantle, gut der Soundtrack, der elegant Musik des ersten Films einflicht, Underworlds "Born Slippy", Iggy Pops "Lust for Life". "Choose Life" wird nun zur Tirade gegen Facebook, Twitter und andere Lifestyle-Götzen. Überaus smart baut Boyle Referenzen an den Vorläufer ein, die versiffte Toilette, ein Ausflug aufs Land, das tote Baby, Marks Freundin.

Mit den Darstellern ist man gleich wieder warm, als wären 20 Jahre nichts für ein Wiedersehen. Jeder in diesem Quartett trumpft groß auf, so machen Fortsetzungen Spaß.