Triumph für selten gespielte Strauss-Oper

Aalto-Theater

Ein Mann, der alles Laute und auch Musik hasst, als singender Hauptdarsteller einer Oper? Da muss man erst mal drauf kommen. Bei Richard Strauss gibt es das, in seiner komischen Oper "Die schweigsame Frau". Am Samstag kam das selten gespielte Werk als erste Essener Strauss-Premiere nach der Intendanz von Strauss-Spezialist Stefan Soltesz am Aalto Theater heraus - und triumphierte.

ESSEN

, 15.03.2015, 14:43 Uhr / Lesedauer: 1 min
Seebär Morosus (Franz Hawlata, l.) herrscht seinen Barbier (Martijn Cornet) an: »Eine schweigsame Frau, die findet man nur auf Kirchhöfen und unterm steinernen Kreuz!«

Seebär Morosus (Franz Hawlata, l.) herrscht seinen Barbier (Martijn Cornet) an: »Eine schweigsame Frau, die findet man nur auf Kirchhöfen und unterm steinernen Kreuz!«

Das Ruhestörungsproblem des Seebären Morosus soll in der Oper durch das schier Unmögliche gelöst werden: eine schweigsame Ehefrau. Guy Joosten (Regie) und Johannes Leiacker (Ausstattung) peppen die Komödie auf zur knallbunten und turbulenten Ausstattungsoperette, wobei sie die Ouvertüre als Seestück mit Szenen aus den "Fluch der Karibik"-Filmen bebildern und die zahlreichen Anspielungen der Musik auf die Operngeschichte durch fantasievoll Kostümierungen spiegeln.

Opulente Bühne

Schon die opulente Bühne präsentiert eine verkehrte Welt: Der hohe und weite Salon, in den sich Morosus zurückgezogen hat, gleicht einer einsamen Insel. Nur, statt Palmen stehen da stachelige Kakteen herum. Das lässt sich als Anspielung auf den Komponisten Richard Strauss und seine Stellung im Nazi-Deutschland lesen.

Aber die Essener "Schweigsame Frau" kann man auch einfach als launige Produktion mit exzellenter Musik genießen. Ein Ereignis ist Franz Hawlata als Morosus. Durch seinen wohltönenden Bass macht er den grimmigen alten Seebären direkt sympathisch.

Glasklarer Sopran

Martijn Cornet als "ehevermittelnder" Barbier wechselt virtuos zwischen Sprechen und Singen. Julia Bauer fasziniert durch schlanken, glasklaren Sopran, mit dem sie auch in allerhöchsten Tönen die Unmöglichkeit einer schweigsamen Frau unterstreicht.

Die Essener Philharmoniker klingen unter dem erstmals am Aalto-Theater dirigierenden Martyn Brabbins so gut wie einst unter Soltesz. Ein höheres Kompliment kann man ihnen nicht machen.

 

Termine: 17./19./22.3., 1./4./19./22./24./30.4.; Karten: Tel. (0201) 8122200 

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