Trommelpastor zieht von Stockum nach Brasilien

Gerwin Rooch

Seit vier Jahren ist Gerwin Rooch mit seiner Frau Carmelita verheiratet. Jetzt sitzt der Stockumer Pastor schon fast auf gepackten Koffern, um endlich mit der ehemaligen Rechtsanwältin und 300 Rindern auf einem Bauernhof in Brasilien zu leben.

STOCKUM

11.08.2014, 19:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pfarrer Gerwin Rooch verabschiedet sich in den Ruhestand und verlegt seinen Lebensmittelpunkt nach Brasilien.

Pfarrer Gerwin Rooch verabschiedet sich in den Ruhestand und verlegt seinen Lebensmittelpunkt nach Brasilien.

Deren Vorfahren waren im 19. Jahrhundert ausgewandert, um den Urwald urbar zu machen. „ In meiner Gemeinde sprachen die meisten altes Hunsrücker Deutsch. Das konnte ich nicht verstehen und musste auch nach nur drei Monaten Portugiesisch-Kurs alle darum bitten, lieber portugiesisch mit mir zu sprechen“, erinnert sich Rooch. Der monatliche Gottesdienst, so der Pastor weiter, sei für die Gemeinde wichtig zur Pflege ihrer deutschen Kultur gewesen: „Das war keine missionarische Kirche dort und ganz arme Menschen, wie sie in den Favelas an den Städte-rändern leben, gehörten nicht zur Gemeinde.“

In den sechs Jahren in Brasilien ist es dem deutschen Pfarrer gelungen, mit seinen brasilianischen Gemeindegliedern ein Hilfsprojekt für die Armen zu organisieren: „Es hat ganz klein mit Handarbeitskursen für Kinder angefangen, die sich dann ein Zubrot verdienen konnten.“ Aus der Riesenstadt in Brasilien kam Gerwin Rooch 1998 ins „Dorf“ Stockum. Das Internet bot damals nicht viele Möglichkeiten, aber immerhin ein Foto von Stockum. „Das gefiel mir, da wollte ich hin und tatsächlich wurde eine Stelle frei“, blickt der Weltenbummler zurück.

In 16 Jahren, nicht als gewählter Pfarrer, sondern als Pastor im Entsendungsdienst, hat Rooch der kleinen Gemeinde vieles aber vor allem eines gegeben – einen unverwechselbaren und lauten Klang. Wenn jemand vom „Trommelpastor“ spricht, weiß man mittlerweile nicht nur in Stockum, dass Gerwin Rooch gemeint ist. Aus Brasilien hat er den Spaß an Percussions-Instrumenten und am Samba-Rhythmus mitgebracht. Seit 2000 leitet der Pastor Trommelkurse für Kinder und Erwachsene. „Lobt Gott mit Trommeln und mit Zimbeln, heißt es schließlich im Psalm 150“, sagt der Pastor und lacht.

Die heute weit über Wittens Grenzen hinaus bekannten und erfolgreichen Barulheiros haben unter seiner Anleitung schon als Vierjährige zum ersten Mal auf die Sambatrommeln geschlagen. Aber nicht nur Trommelwirbel auch absolute Stille hat Rooch in die kleine Kirche an der Hörder Straße gebracht. Jeden Donnerstag steht dort Kontemplation auf dem Programm. „Das ist die altchristliche Tradition des schweigendes Gebetes. Wir sitzen anderthalb Stunden schweigend in der Kirche und achten auf unseren Atem, nur unterbrochen durch gelegentliches Schreiten.

Das ist ein Weg zu sich selbst und zu Gott zu finden, sehr konträr zu unserer heutigen Input-Gesellschaft“, schildert Rooch. Drei Monate will er künftig jedes Jahr in Witten verbringen, um die Stockumer Gemeinde und seinen Freund und Kollegen Holger Papies nicht zu sehr vermissen zu müssen. Für das Leben in Brasilien hat er noch keine festen Plänen. Aber auf jeden Fall will er mit Kindern aus den Favelas trommeln.

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