„Tu nichts Böses“ zeigt Maulhelden der Vorstadt

Neu im Kino

Cesare ist ein Großmaul, ein Hitzkopf und Spinner, der sich mit krummen Dingern über Wasser hält. Sein Zuhause ist die Vorstadt, die noch immer so schäbig aussieht wie in den Filmen des italienischen Neo-Realismus. Claudio Caligaris "Tu nichts Böses" ist eine schmucklose Ballade in der Tradition der frühen Werke von Rossellini, de Sica, Visconti, ein Stück deprimierender Wirklichkeit vom Rand der Gesellschaft.

07.04.2017, 19:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Luca Marinelli spielt den jungen Cesare.

Luca Marinelli spielt den jungen Cesare.

Und Cesare (Luca Marinelli) ist ein Bruder von Pasolinis Kleinganoven Accattone. Auf der Jagd nach schnellem Geld zieht er jeden über den Tisch. Mit seinem Kumpel Vittorio (Alessandro Borghi) pfeift er alle Drogen ein, die er in die Finger kriegt. Entweder hat er die Konstitution eines Pferdes oder es ist seine Jugend, die ihn vor dem Kollaps bewahrt.

"Tu nichts Böses" erzählt aus dem Leben eines Taugenichts, der mit Vollgas auf der Verliererstraße fährt - ohne Pathos oder Weinerlichkeit. Am Anfang entwickelt der Film eine aggressive Energie, wie man sie aus den Rabauken-Streifen von Guy Ritchie kennt. Bis zur Halskrause voll mit Pillen gehen Cesare und Vittorio auf die Türsteher einer Disko los, später reagieren sie sich an Gästen ihres Stammlokals ab.

Neo-Neorealismus trägt schöne Früchte

Sie lungern herum, hecken Geschäfte aus, leben von Tag zu Tag. Ihre Sprache ist harter Straßenjargon, nicht bloß mit Fäusten wird ausgeteilt. Es gibt aber einen Ort, wo Cesare lammfromm ist, das ist das Haus seiner Mutter, die sich um Cesares kranke kleine Nichte kümmert.

Als Vittorio eine Frau kennenlernt, auf dem Bau jobbt, dem Gaunerleben abschwört, verliert Cesare seinen wichtigsten Halt. Es wird ein böses Ende mit ihm nehmen, das macht die Grundspannung der Geschichte aus. Exzellent gespielt, zupackend inszeniert, glaubwürdig in der Milieuzeichnung: Der (Neo-) Neorealismus trägt auch heute schöne Früchte.

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