Tull-Villa am Phoenix-See wird erst im Sommer fertig

Geplantes Konservatorium

Wie geht es weiter an der Tull-Villa? Die Baustelle an einem der letzten verbliebenen Gebäuden am Phoenix-See bleibt Gesprächsthema. Denn das neue Konservatorium für klassische Musik wird später eröffnen als geplant. Der Grund dafür liegt im Boden.

HÖRDE

, 27.01.2016, 11:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tull-Villa am Phoenix-See wird erst im Sommer fertig

Von außen nur wenig sichtbarer Fortschritt: Die Tull-Villla am Phoenix-See.

Im Mai 2015 hat das Internationale Konservatorium am Phoenix-See begonnen, die alte Direktoren-Villa umzubauen. Im März dieses Jahres wollten die Planer der Akademie für klassische Musik ursprünglich fertig sein. „Das schaffen wir nicht“, sagt Bauherr Wilhelm Jonen. „Es dauert von jetzt an noch rund vier Monate“. Die Villa gibt derzeit ein recht ramponiertes Bild ab. Im Inneren seien die Arbeiten aber schon fortgeschritten, so Jonen.

Die neue, mit Musik ausgefüllte Tull-Villa soll im Juni fertig sein. Auf der Seite zur Burg ensteht ein Anbau,  in den ein Café der Kette „Bar Celona“ ziehen wird . Die Eröffnung kündigt Jonen für das „Frühjahr“ an. 

Mehrere Unterbrechungen

Mehrfach mussten die Bauarbeiten unterbrochen werden. Wegen starken Regens im vergangenen Sommer, wegen des Frosts in diesem Januar. Und weil es hier auf Höhe der historischen Burggräfte (ein Weiher, ähnlich einem Burggraben) im Sumpfgebiet tiefer als geplant in die Erde ging – bis zu fünf Meter.

Bei Arbeiten an einem Pumpenschacht stoppten deshalb kurz vor Weihnachten plötzlich die Maschinen. Tonscherben, rund 400 bis 600 Jahre alt, waren im Boden gefunden worden. Damit war die Tull-Villa ein Fall für die Archäologen der Unteren Denkmalbehörde, die jedes größere Bauprojekt in Dortmund begleiten, das an historisch bedeutsamen Stellen liegt.

Bedeutsame Burg

Die Hörder Burg, im zwölften Jahrhundert erbaut und Basis für den heutigen Ort Hörde, ist ohne Zweifel ein solche Stelle. „Die Villa steht mit einem Fuß im Burggraben“, sagt Dr. Henriette Brink-Kloke, Chef-Archäologin der Denkmalbehörde. 

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1893 und wurde als Direktorenvilla mit Blick auf die Hermannshütte angelegt. Werks-Chef Matthias Tull hatte das Haus für seinen Sohn Ludwig errichten lassen. Nach längerer Debatte im Jahr 2011 entschied sich die Denkmalbehörde, die Villa nicht unter Denkmalschutz zu stellen.

Scherben sind "Siegburger Steinzeug"

Die Scherben aus der Siegburger Steinzeug genannten Phase (14. bis 16. Jahrhundert) seien „archäologisches Standard-Material“, das dennoch aufschlussreich ist. Denn: Jeder Fund macht die vermuteten Abmessungen der Hörder Burg etwas präziser, zeigt, dass die bisherigen Erkenntnisse richtig sind. Aus Holzresten im Boden erhofft sich Brink-Kloke weitere Rückschlüsse.

Die Stadt-Archäologen könnten sich eigentlich gleich am Phoenix-See eine feste Bleibe suchen. Denn mit der Sparkassenakademie und dem angrenzenden Hotel stehen zwei Großbaustellen an der Burg an, bei denen es fast unter Garantie historische Funde geben wird.

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