Tunnel unter dem S-Bahnhof ist ein Angstraum

Putz-Aktion in Langendreer

Die Beleuchtung im Tunnel ist spärlich, wenn ein Auto durchfährt, hallt es laut, die Wände sind beschmiert. Die Unterführung unterm S-Bahnhof in Langendreer könnte schäbiger nicht sein. Der Verein Langendreer hat's versuchte nun, mit einer Putz-Aktion die Bahn zum Handeln zu bewegen.

LANGENDREER

, 01.09.2014, 05:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch Esther Münch, alias Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert, half, den Tunnel zum Strahlen zu bringen.

Auch Esther Münch, alias Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert, half, den Tunnel zum Strahlen zu bringen.

Langendreer hat‘s hatte sie dazu aufgefordert, um die dunkle und schmierige Unterführung zu schrubben. Symbolisch, natürlich nur. „Damit wollen wir der Bahn als Eigentümerin zeigen, dass hier was passieren muss. Und dass wir uns auch selbst engagieren“, sagt Gastgeber Höser. Punkt 17 Uhr begrüßt er die fleißigen Helfer zusammen mit Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche. Die schlägt vor, der Bahn nicht nur mit dieser Aktion Druck zu machen. „Wir wollen prüfen, ob eine Ersatzvornahme rechtlich möglich ist“, sagt sie. Damit könnten Stadt und Vereine die Reinigung des Tunnels der Bahn in Rechnung stellen.

Doch „der Schmutz ist ja nicht alles“, räumt Höser ein, „wir sind auch der Meinung, dass ein großes Gefahrenpotenzial da ist“. Die Löcher an der Außenwand meint er damit. Und die großen Risse in der Tunneldecke, die den Blick freilegen auf rostige Stahlträger. Seitens der Deutschen Bahn fühlen sich die Langendreerer ignoriert. Es würden lediglich Reparaturarbeiten übernommen, sagt Höser, und die seien laut Unternehmen gar nicht nötig. „Der Bahn ist doch egal, wenn irgendwo in Langendreer so ein alter Bahntunnel verkommt“, sagt auch eine Anwohnerin.

Viele, die heute zum Putzen gekommen sind, trauen sich kaum noch durch die Unterführung. Wegen der schlechten Beleuchtung, der dunklen Gestalten, die hier rumlungern. Der S-Bahn-Tunnel ist zum Angstraum geworden. „Im Dunkeln würde ich auf keinen Fall dadurch“, sagt die Langendreererin Dagmar Schmitt. Und Hartmut Niche, der extra für die Aktion aus Witten gekommen ist, ergänzt: „Für Frauen, die allein zu Fuß unterwegs sind, muss es hier schrecklich sein.“

Das Problem erkennt auch Esther Münch. Sie ist in ihrer Paraderolle „als Vorzeige-Putzfrau“ Waltraud Ehlert gekommen, natürlich mit Kittel und Kopftuch. „Wenn ich hier nachts durch laufe, ne, da hab ich direkt den Köttel im Kittel“, sagt sie. „Das sieht nicht nur kacke aus, das ist auch richtig duster.“ Und weil Esther Münch ein „Bochumer Mädchen“ ist, helfe sie gerne mit. „Im Dienste der guten Sache“, betont sie, zeige sie gerne allen, wie richtiges Putzen geht. „Wir müssen die Bahn doch wachrütteln.“

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