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Turmfalken: Gemeinde hält ein Zimmer frei

BRACKEL Festhalten. Kopf einziehen. An diesem Dienstagmorgen geht's auf schmalen Stiegen 30 Meter in die Höhe. Hintereinander klettern drei Tierschützer den Turm der alten evangelischen Kirche am Brackeler Hellweg hinauf. Mühsam. Vor allem mit einem stattlichen, hölzernen Brutkasten für Falken im Arm.

von Von Hilke Schwidder

, 27.11.2007

Oben angekommen atmet Heinz Heitland von der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz tief die frische Luft ein. Es ist kalt, obwohl Sonnenstrahlen in breiten Lichtkegeln durch die Fenster auf den Dachboden scheinen. Die Männer stören sich nicht daran. Sie bleiben in Bewegung.

Wo ist die nächste Steckdose? Das Verlängerungskabel? Der Werkzeugkasten? Die Montage des selbst gebauten Turmfalken-Nestes beginnt. Zwischen metallenen Querstreben und riesigen, massiven Glocken bewegen sich die Tierschützer auf engstem Raum. Sie passen das künftige Zuhause für den Vogel des Jahres 2007 ein.

Eine Hilfestellung, die dringend nötig ist. Denn allein findet der Falke immer seltener einen Brutplatz. Mit Holzlatten und Maschendraht verbarrikadieren Kirchengemeinden ihre Türme vor Tauben und deren ätzendem Kot. Diese Flieger sollen draußen bleiben. - Und so wird's auch für die Falken eng. "Die Tauben sind wirklich eine Plage", berichtet Pfarrgemeinderatsvorsitzender Werner Hölscher.

Umso sehnlicher wünschen sich die Brackeler ein richtig aufmerksames Falken-Paar. Denn in direkter Nachbarschaft zu den Greifvögeln fühlen sich die gurrenden Verwandten gar nicht wohl. "Von einem Turm, wo Falken brüten, halten sie sich fern." Heinz Heitland unterstreicht diesen Satz mit einem überzeugten Nicken - und reicht seinen Kollegen die Stichsäge an. Ein kleines Loch wird der zukünftigen Brackeler Falken-Familie schon zum Einzug genügen. Das wissen die Experten aus Erfahrung - ebenso wie die Balzzeiten: Je nach Wetterlage beginnen die Falken Ende Februar, Anfang März mit dem Werben.

Und dann führen die eleganten Flieger den Brackelern Mal um Mal vor, wie sie innerhalb von Sekunden auf den hohen Kirchturm gelangen. Ohne ins Schwitzen zu kommen.