Über den Winter

Rolf Lappert

Wenn heute in einer Woche in Frankfurt der Deutsche Buchpreis vergeben wird, wird auch Rolf Lappert der Veranstaltung gespannt folgen. Sein Roman "Über den Winter" steht neben fünf anderen Büchern auf der Shortlist.

04.10.2015, 13:53 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der 57-jährige Schweizer schreibt darin über den Künstler Lennard Salm, der von einem nicht näher benannten Ort irgendwo im Süden widerwillig zu seiner Familie nach Hamburg zurückkehrt, um an dem Begräbnis seiner Schwester teilzunehmen. Doch dann bleibt er länger als geplant und richtet sich nach und nach in der Situation ein.

Lapperts Erzählstil passt zum ruhigen Cover dieses Buches. Der Autor nimmt sich jede Menge Zeit auch für kleinste Details und schreckt auch vor längeren Beschreibungen von Landschaften oder Wohnungseinrichtungen nicht zurück.

Man muss kämpfen

Gerade zu Beginn wirkt das mitunter langatmig, und man muss als Leser etwas kämpfen, um bei der Stange zu bleiben.

Hinderlich für den Lesegenuss ist auch, dass die Hauptfigur, die im Buch meist nur als "Salm" vorkommt, nur bedingt als Identifikationsfigur taugt. Salm ist meist übel gelaunt, kommt zu spät oder gar nicht zu Verabredungen und ist mundfaul. Man hat zuweilen den Eindruck, dass ihm das, was in seiner Umgebung passiert, weitgehend egal ist.

In der zweiten Hälfte nimmt der Roman zwar deutlich an Fahrt auf, aber insgesamt bleibt der Eindruck einer durchgängigen Humor- und Freudlosigkeit, einer gewissen Dröge und Zähigkeit.

Distanz

Weil der Autor meist nur die Geschehnisse beschreibt, aber zu selten in die Köpfe der Figuren eintaucht, bleiben sie für den Leser seltsam distanziert.

 

Rolf Lappert: Über den Winter, 384 S., Hanser, 22,90 Euro, ISBN 978-3-4462-4905-9.