Über die Bedeutung des Pinsels in der digitalen Welt

Ausstellung

Der Siegeszug der Fotografie Mitte des 19. Jahrhunderts revolutionierte die Malerei. Weil man sie nicht mehr brauchte, um Wirklichkeit abzubilden. Dann kam der Film, dann der Computer. Doch wie wirkt sich das digitale Zeitalter auf die heutige abstrakte Malerei aus? Eine Ahnung davon bekommen Besucher in der neuen Ausstellung „re:set“ in der Kunsthalle Recklinghausen.

von Anna Gellner

, 07.02.2014 / Lesedauer: 2 min
Über die Bedeutung des Pinsels in der digitalen Welt

Paul Schwers Plastiken sehen aus wie zerknülltes Papier, bestehen aber größtenteils aus Plastik.

„Bits, Bites und Pixel, nichts davon ist wirklich, alles ist nur virtuell“, sagt Museumsdirektor Ferdinand Ullrich. Und genau da liege letztlich der Vorteil der „echten“, handgemachten Kunst. „Das Gemälde im Museum ist ein Unikat, das wir nur hier und jetzt betrachten können.“ Rund 70 Werke von zwölf Malern und vier Videokünstlern sollen in Recklinghausen dazu beitragen, eine Diskussion über dieses Thema anzustoßen. Gemeinsamkeiten zwischen den Gemälden, Installationen und Videos gibt es einige – auf den zweiten Blick.

Mit dabei sind Kunststoff-Plastiken von Paul Schwer, die wie zerknülltes, erstarrtes Papier im Raum liegen. „Diese eingefrorenen Bewegungen stehen im Gegensatz zur flüchtigen digitalen Welt“, sagt er. Die Bilder des niederländischen Künstlers Ab van Hanegem dagegen scheinen von der Formensprache eines Bildschirmschoners beeinflusst zu sein: Sie sind ebenso bunt, und die einzelnen Linien sind miteinander verwoben. Trotzdem braucht man nicht lange hinzuschauen, um zu erkennen: Es gibt Pinselstriche. Und die offenbaren eine eigene Handschrift, die kein Computer der Welt zu kopieren vermag.  

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