Überraschend zarter Brahms-Abend von Arcadi Volodos

Klavier-Festival Ruhr

Jetzt wird wieder in die Tasten gehauen: Am Freitag eröffnete der zu Beginn seiner Karriere besonders für seine Pranke berühmte Russe Arcadi Volodos in der Stadthalle Mülheim das 28. Klavier-Festival Ruhr. Im Anschluss an seinen - überraschend zarten - Brahms-Abend erhielt der 44-Jährige von Intendant Franz Xaver Ohnesorg den Preis des Festivals.

MÜLHEIM

, 17.04.2016, 13:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Überraschend zarter Brahms-Abend von Arcadi Volodos

Pianist Volodos mit dem Festival-Preis

 

Ohnesorg dankte dem Pianisten für seine Freundschaft und langjährige Treue - Volodos ist erstmals 1998 und seither 14 Mal beim Klavier-Festival aufgetreten - und schwärmte davon, wie er das Publikum "auf eigene Weise in die Seelenlandschaften von Brahms hineingetragen" habe.

Stolz fügte er hinzu: "Volodos spielt nirgendwo einen ganzen Brahms-Abend, aber für uns schon". Die erste Hälfte seines Mülheimer Programms (Thema und Variationen op. 18b und die Klavierstücke op. 76) hatte der Russe gleichwohl auch schon im Februar im Konzerthaus Dortmund zum Besten gegeben.

Ätherische Träumerei

Fand sich Volodos in Mülheim mit diesen Stücken erst so langsam in seinen zwischen Schwere und Leichtigkeit vermittelnden Brahms-Ton ein, so war er in den allerletzten Klavierstücken des deutschen Spätromantikers voll in seinem Element.

Auf abgedunkelter Bühne an seinen Stuhl angelehnt, machte er gleich aus dem Intermezzo op. 117/1 eine zarte, ätherische Träumerei. Den Mittelteil des drängenderen dritten Intermezzos ließ er rhapsodierend zerfließen.

Auch in den sechs Klavierstücken op. 118 war eher ein sanftes Plätschern zu vernehmen. Selbst in der energischen g-Moll-Ballade herrschte gezügelte Leidenschaft vor. Fast schon impressionistisch geriet das Schlussstück.

Eher leise und intim gab sich Volodos danach in dreien seiner vier Zugaben, darunter das in barocker Manier hingetupfte Menuett D 600 von Schubert und die ungemein zart interpretierte Sicilienne von Bach nach Vivaldi.

Extrem unhöflich danach: Während sich der Pianist noch verbeugte, strömten Zuhörer aus den vorderen Reihen bereits scharenweise aus dem Saal.

Am Montag (18.4.) spielt das Kammermusiktrio aus Evgeny Kissin (Klavier), Julia Rachlin (Geige) und Mischa Maisky (Cello) ab 20 Uhr in der Philharmonie Essen. Karten: Tel. (01806) 500803.