UN-Mission: Gipfelteilnehmer brechen Libyen-Waffenembargo

Berliner Libyen-Konferenz

Eine Woche ist es her, dass auf der Berliner Libyen-Konferenz ein Waffenembargo für das Bürgerkriegsland vereinbart wurde. Jetzt zeigt sich: Nicht alle Teilnehmer halten sich daran.

Tripolis

27.01.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
UN-Mission: Gipfelteilnehmer brechen Libyen-Waffenembargo

Die Teilnehmer des Libyen-Gipfels haben sich zur Einhaltung eines UN-Waffenembargos verpflichtet. Nicht alle Teilnehmer halten sich daran. © Michael Kappeler/dpa

Das auf der Berliner Libyenkonferenz bekräftigte Waffenembargo für das nordafrikanische Krisenland ist nach UN-Angaben von mehreren Gipfelteilnehmern gebrochen worden.

Lybien erhält weiterhin Waffen, Munition, Fahrzeuge und Kämpfer

In den vergangenen zehn Tagen seien mehrere Maschinen auf Flughäfen im Westen und Osten Libyens gelandet, mit denen Waffen, gepanzerte Fahrzeuge, Kämpfer und Berater ins Land gebracht worden seien.

Zwar benannte die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen für Libyen (UNSMIL) in ihrer Stellungnahme vom Samstag keine Verantwortlichen und ließ damit offen, wer das Embargo gebrochen habe.

16 Länder und internationale Organisationen an Vereinbarung beteiligt

Allerdings stand in der Mitteilung, dass „mehrere Teilnehmer der Berliner Konferenz“ am „anhaltenden Transport ausländischer Kämpfer, Waffen, Munition“ und anderer militärischer Ausrüstung beteiligt gewesen seien.

In Berlin hatten sich am Sonntag vor einer Woche 16 Länder und internationale Organisationen auf eine Vereinbarung verständigt, die Einmischung von außen in den Libyen-Konflikt - etwa über Waffenlieferungen - beenden und einen Friedensprozess ermöglichen soll.

Vereinte Nationen wollen ein Treffen der Konfliktparteien einberufen

In Kürze wollen die Vereinten Nationen ein Treffen der Konfliktparteien zur Umsetzung einer Waffenruhe einberufen. Die EU berät darüber, wie sie das seit 2011 bestehende Waffenembargo überwachen kann. Und im UN-Sicherheitsrat wird an einer Resolution zur Unterstützung der Beschlüsse von Berlin gearbeitet.

Seit der langjährige Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 gestürzt und getötet wurde, herrscht in Libyen ein Bürgerkrieg mit unübersichtlichen Machtverhältnissen, in dem Drittstaaten mit rivalisierenden Interessen mitmischen.

Für Deutschland ist die Stabilisierung des Landes vor allem von Bedeutung, weil viele Flüchtlinge von dort aus den Weg über das Mittelmeer nach Europa suchen. Außerdem droht Libyen zum Rückzugsraum für islamistische Terroristen zu werden und das Land ist eine Drehscheibe für Waffenströme in den Sahel, wo auch deutsche Soldaten stationiert sind.

Verstöße gegen Waffenruhe

Im Raum Tripolis war am 12. Januar eine Waffenruhe in Kraft getreten. General Chalifa Haftar hatte eine Offensive auf die Hauptstadt angeordnet, in der die Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch ihren Sitz hat. Beide Seiten haben sich aber mehrfach Verstöße gegen die Waffenruhe vorgeworfen.

Am Sonntag sprach die Sarradsch-Regierung von „wiederholten Verstößen“ durch Haftars Truppen, der die Vereinbarung „sinnlos“ mache. Mögliche Opfer nannte sie nicht. Aus Kreisen von Haftars Libyscher Nationalarmee (LNA) hieß es, dass sechs Soldaten der LNA bei Gefechten mit Truppen der Sarradsch-Regierung getötet worden seien.

Dutzende Flüchtlinge begeben sich auf den Weg über das Mittelmeer

Erneut machten sich Dutzende Flüchtlinge von Libyen aus auf den Weg über das Mittelmeer. Das deutsche Rettungsschiff „Alan Kurdi“ nahm dort 78 Migranten auf. Die Menschen seien in zwei unterschiedlichen Aktionen geborgen worden, sagte eine Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Eye.

An Bord seien mehrere Kinder, das jüngste sechs Monate alt. Drei Menschen seien stark dehydriert gewesen. Auch das Rettungsschiff „Ocean Viking“ nahm vor Libyen weitere Menschen auf. 151 Migranten seien nun an Bord, teilte Ärzte ohne Grenzen mit.

Zuletzt hatten Rettungsschiffe nicht mehr allzu lange auf dem Mittelmeer warten müssen, bevor sie in Italien anlegen durften. Deutschland und andere Staaten hatten sich vorab bereit erklärt, Geflüchtete von den Schiffen zu übernehmen.

RND/dpa