Unfall mit drei Toten in Bocholt: Gericht sieht Sekundenschlaf als Ursache

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Drei Menschen kamen Ende Januar bei einem Unfall auf der B67 in Bocholt ums Leben. Wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung im Straßenverkehr wurde der Unfallverursacher jetzt verurteilt.

von Ludwig van der Linde

Bocholt

, 07.12.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende Januar starben drei Polen bei einem schweren Unfall auf der B67 in Bocholt. Der Unfallverursacher, ein heute 34-jähriger Gocher, wurde am Freitag am Amtsgericht in Bocholt wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung im Straßenverkehr zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, die der Einzelrichter zur Bewährung aussetzte.

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Nicht nur er, sondern auch der Staatsanwalt und die Verteidigerin des Angeklagten gingen davon aus, dass ein Sekundenschlaf des Gochers Ursache für den folgenschweren Zusammenstoß seines tonnenschweren Schweinetransporters mit dem Auto war, in dem die drei Polen saßen.

Der Unfall ereignete sich am Morgen des 28. Januar. Der Gocher war mit seinem Viehtransporter voller Schweine auf dem Weg über die B67 zum Schlachthof nach Coesfeld. Um kurz vor sieben Uhr geriet sein Lkw samt Anhänger zwischen den Abfahrten Bocholt-Biemenhorst und Fachhochschule Bocholt in den Gegenverkehr.

Frontalzusammenstoß des Lkw mit Pkw

Dort stieß er nahezu frontal mit dem Wagen der drei Polen (23, 25 und 34 Jahre alt) zusammen, die von Rhede kommend Richtung Bocholt unterwegs waren. Durch den Aufprall wurde der Pkw herumgeschleudert und stieß mit dem Kleintransporter eines 56-Jährigen zusammen, der hinter dem Pkw fuhr. Der Fahrer erlitt einen Handbruch.

In seiner Urteilsbegründung sprach der Richter von einer Verkettung von Fehlentscheidungen, die der Angeklagte an diesem Morgen getroffen hätte und die zu einem massiven Fehler geführt hätten, die drei unschuldigen Menschen das Leben gekostet und über deren Familien viel Unglück gebracht hätten.

Statt auszuruhen, halt der Fahrer beim Verladen mit

Der Gocher habe nachts nur vier bis fünf Stunden geschlafen, bevor er an dem Montagmorgen schon um zwei Uhr bei der Arbeit war und damit eine Stunde früher als sonst üblich. Seine Fahrt führte ihn zu zwei Bauerhöfen, wo er die Schweine abholte, die geschlachtet werden sollten. Aber anstatt sich beim Aufladen auszuruhen, habe er beim Verladen mitgeholfen. „Was durchaus üblich ist in der Branche“, bemerkte der Richter.

Und auf der B67 habe er dann nicht auf die Ermüdungsanzeichen seines Körpers reagiert nach dem Motto: Es wird schon gut gehen; bis Coesfeld ist es ja nicht mehr weit. „Dieses typische Muster erlebt man bei solchen Unfällen mit Sekundenschlaf immer wieder“, sagte der Richter.

War der Angeklagte durch sein Handy abgelenkt worden?

Der Verteidiger der Nebenanklage hatte auch die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass der Angeklagte durch sein Handy abgelenkt worden und deshalb der Lkw in den Gegenverkehr geraten sei. Denn schließlich habe der 34-Jährige gut eine Minute vor dem Unfall noch eine Sprachnachricht abgesetzt. Der Anwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten auf Bewährung.

Diese Hypothese schlossen aber Richter und auch der Staatsanwalt aus. Dagegen spreche die relativ lange Zeit von vier Sekunden, die der Lkw wie auf einer Schiene, nahezu führerlos in den Gegenverkehr geraten sei. Der Angeklagte habe weder auf die Lichter der entgegenkommenden Fahrzeuge reagiert noch auf deren Hupsignale.

„Und auch nach dem Zusammenstoß hat er nicht auf die Bremse gedrückt, was eine normale Reaktion gewesen wäre“, sagte der Richter.

Verurteilter muss 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten

Seit März hat der Gocher keinen Führerschein mehr. Diese Zeit verlängerte der Richter um weitere acht Monate. Außerdem muss der Mann 250 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. Von einer Geldstrafe sah der Richter aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse ab. Der 34-jährige Familienvater ist seit dem Verlust des Führerscheins arbeitslos.

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