Ungewöhnliche Aktion des Publikums: „Danke Yannick“

Konzerthaus Dortmund

Es war ein Moment der Stille, der am Samstag zu den beeindruckendsten Momenten der dreijährigen Residenz von Dirigent Yannick Nézet-Séguin im Konzerthaus Dortmund gehörte: Der Dirigent kam nach seiner großartigen Interpretation von Bruckners siebter Sinfonie zurück auf die Bühne, und keiner konnte klatschen, weil knapp 1500 Zuschauer vorbereitete Zettel in die Luft reckten.

DORTMUND

, 10.07.2016, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Danke Yannick" stand auf den schwarzen DinA3-Bögen, die das Konzerthaus in der Pause verteilt hatte. "Ich bin sprachlos. Das alles hier ist schwer zu glauben. Ich hatte von meiner Residenz einen tollen Saal, ein großartiges Team und die besten Orchester der Welt erwartet, aber nicht, dass ich so viel Liebe und so eine herzliche Verbindung zum Publikum bekommen würde. Ich werde Sie vermissen, und dies ist ganz bestimmt ein ,Auf Wiedersehen'", versprach der gerührte Dirigent.

Echte Liebe, wie man sie in Dortmund aus dem Fußballstadion kennt, hat den jetzt 41-jährigen Kanadier durch seine Residenz getragen. Und diese gegenseitige Liebe gipfelte am Samstag im besten Konzert der "Bruckner Experience" des Pultstars, in einer Klang-Ekstase und Musik wie im Rausch.

Finale wie im Rausch

Das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks führte "Yannick", wie er nicht nur in Rotterdam und an der Met, sondern auch in Dortmund von den Klassikfreunden genannt wird, vor allem dynamisch so differenziert und mit einer so dichten Stringenz aufs rauschhafte Finale zugesteuert durch Bruckners siebte Sinfonie, dass sich das Publikum dem riesigen Sog kaum entziehen konnte.

Das Geheimnis, warum Bruckner bei dem charismatischen Nézet-Séguin nicht so spröde klingt wie bei anderen, liegt wohl darin, dass er die Klänge der Orchestergruppen nicht wie Register einer Orgel schichtet, sondern zu einer Einheit zwingt. Das Ergebnis war auch in dieser Siebten tiefe romantische Emphase und ein Klang, der süchtig macht.

Große Klangkultur

Und das BR-Orchester zeigte vor allem mit seiner großen Klangkultur im zweiten Satz mit den vier Wagner-Tuben, dass es mit den besten Orchestern der Welt wie den Wiener Pilharmonikern, die die neunte Sinfonie gespielt haben und Nézet-Séguins Rotterdamern, die mit Bruckners Achter zu hören waren, fantastisch mithalten kann. - Ein legendärer Abend.

Prolog mit Anna Prohaska

Vor der Pause sang Sopranistin Anna Prohaska, begleitet vom BR-Orchester, Arien von Schubert von Carl Maria von Weber. Vorsichtig, liedhaft malte sie Stimmungen der Euryanthe von Weber und der Helene aus Schuberts "Verschworenen" und glänzte am Schluss mit der geheimnisvollen Ännchen-Arie aus dem "Freischütz", mit dem die 33-jährige ehemalige "Junge Wilde" in Berlin große Triumphe feiert.

Als neuer Exklusivkünstler tritt ab der nächsten Saison Andris Nelsons an. Yannick Nézet-Séguin kommt am 17. Dezember als Pianist und Kammermusiker zurück ins Konzerthaus Dortmund. Und danach wieder als Dirigent. Die Liebe bleibt.

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