Unglück im Saal brachte Trifonov nicht aus der Ruhe

Klavierfestival Ruhr

"Beim Klavierspielen erreiche ich einen Zustand, in dem mich nichts stören kann: kein Mobiltelefon im Saal, kein Geräusch, keine Bewegung im Publikum" hat Daniil Trifonov im Interview im aktuellen "Spiegel" gesagt.Das stimmt offenbar, denn beim Auftritt des jungen Shooting-Stars der Klavierszene am Donnerstag beim Klavier-Festival Ruhr im fast ausverkauften Konzerthaus Dortmund gab es jede Menge Unruhe.

DORTMUND

, 20.05.2016, 16:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Unglück im Saal brachte Trifonov nicht aus der Ruhe

Daniil Trifonov, jetzt mit Bart, im Konzerthaus Dortmund

Ein Besucher auf der Orgelempore brach zusammen, stürzte mitten im Konzert auf der Treppe. Helfer und Ärzte wuselten über die Empore, trugen den Mann nach draußen, später hörte man im Saal das Martinshorn des Krankenwagens. Und Trifonov spielte ganz ruhig weiter Schubert - wie aus einer anderen Welt. Dem Mann ginge es besser, beruhigte Festival-Chef Franz-Xaver Ohnesorg nach der Pause.

Viel Tiefgang

25 Jahre jung ist Trifonov und einer der besten Pianisten - nicht nur seiner Generation. Tiefgang hat das, was er spielt. In Schuberts sonniger, kleiner G-Dur-Sonate, die er zu etwas ganz Großem machte, ebenso wie in der virtuosen Artistik von Brahms' Paganini-Variationen.

Noch tiefer nach vorn gebeugt als sein Vorbild Sokolov sitzt dieser Klang-Künstler über den Tasten, berührt manchmal fast mit der Stirn den Flügel. Und dann entsteht traumhaft schöne, gefühlvolle und klug durchdachte, mannigfaltig schattierte Musik. Eine überlegene Technik hat der Russe und viel Kraft. In Brahms' Bearbeitung einer Bach-Partita für die linke Hand (und viel rechten Pedalfuß) hörte man das. Und am Schluss in Rachmaninows "Faust"-Sonate.

Faszinierend und großartig

Rachmaninow, gerade auf CD eingespielt, liegt Trifonov zurzeit besonders. Im Mittelsatz ließ er ein Gretchen singen, das an Schuberts "Gretchen am Spinnrad" erinnerte, und das Mephisto-Finale war virtuoses Hexenwerk mit viel Gehalt. Absolut faszinierend und großartig. Am 25. 2016 September kommt Trifonov mit dem Scala-Orchester und Chailly zurück ins Konzerthaus.