Unhappy Hippos: Forscher fordern Tötung von Escobars Nilpferden

Kolumbien

Die Nilpferde aus dem Privatzoo des 1993 verstorbenen Drogenbarons Pablo Escobar vermehren sich in Kolumbien rasant. Forscher fordern nun, die Ausbreitung mit drastischen Mitteln zu bremsen.

Medellín

von Tobias Käufer

, 23.01.2021, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nilpferd Vanessa sitzt in einem gesonderten Teich auf der Hacienda Napoles, das Tier wurde von der Herde verstoßen. Die Hacienda gehörte einst dem Drogenboss Pablo Escobar, der vier afrikanische Flusspferde hier herbrachte. Mittlerweile streifen rund 100 Nachkommen durch die Region.

Nilpferd Vanessa sitzt in einem gesonderten Teich auf der Hacienda Napoles, das Tier wurde von der Herde verstoßen. Die Hacienda gehörte einst dem Drogenboss Pablo Escobar, der vier afrikanische Flusspferde hier herbrachte. Mittlerweile streifen rund 100 Nachkommen durch die Region. © dpa

Sie fühlen sich offenbar wohl in Kolumbien. So wohl, dass sich die einst vom legendären Drogenbaron Pablo Escobar illegal aus Afrika in seinen Privatzoo unweit von Medellin eingeführten Nilpferde fleißig vermehren. „Wir kalkulieren, dass es derzeit ungefähr rund 100 Nilpferde gibt. Und wenn wir keine Maßnahmen ergreifen, könnte die Population im Jahr 2034 auf 1500 Tiere angestiegen sein“, erklärte Nataly Castelblanco laut einem Bericht der Tageszeitung „El Tiempo“. Sie ist eine der Autorinnen einer wissenschaftlichen Studie über die Nilpferde.

Escobar (1949–1993) war zu Lebzeiten einer der gefährlichsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Drogenhändler der Welt. Sein Leben erfuhr durch die Netflix-Serie „Narcos“ in den letzten Jahren noch einmal weltweites Interesse. Das Magazin Forbes schätzte das Vermögen des Kopfes des Medellin-Kartells auf dem Höhepunkt seines Erfolges auf 2,7 Milliarden US Dollar – das reichte damals zu Platz sieben in der Liste der weltweit reichsten Männer.

Sein Geld steckte Escobar unter anderem in einen Privatzoo auf seiner Finca, für die er illegal Tiere aus aller Welt einführte. Auch die Nilpferde. Nach seinem Tod und dem Zusammenbruch seines Kokainimperiums verfiel die Finca zunächst und einige Nilpferde machten sich „selbstständig“.

Laut Untersuchungsergebnissen der Wissenschaftler beträgt die Fortpflanzungsrate der Tiere, die sich entlang des Rio Magdalena breit machen, konstante 14,5 Prozent. Inzwischen machen an einigen Stellen gelbe Warnschilder auf die Gefahr durch die Nilpferde entlang des Flussufers aufmerksam. Zuletzt kam es vereinzelt zu Angriffen auf Menschen, durch die sich die Tiere bedroht fühlten.

Ideale Bedingungen für die Nilpferde

Die Gründe für das rasante Wachstum der Nilpferde auf kolumbianischen Boden liegt auf der Hand. Die Tiere finden im Magdalena-Fluss nahezu ideale Bedingungen vor. Das Nahrungsangebot ist reichlich, dafür fehlen natürliche Feinde und auch der Mensch als Bedrohung fällt in weiten nicht bewohnten Teilen der Region aus.

Was auf den ersten Blick für ein Schmunzeln sorgt, hat für die einheimische Natur allerdings schwerwiegende Konsequenzen. Die „Invasoren“ wie die Wissenschaftler die nicht einheimischen Tiere nennen, bedrohen ihrerseits den Lebensraum der lokalen Fauna und Flora. Die enorm „wettbewerbsfähigen“ Nilpferde verdrängen im Kampf um Revier und Nahrung andere Tiere wie Seekühe oder Otter.

Die Nilpferde veränderten die Sauerstoffdynamik, die Biogeochemie und das Sedimentationsgeschehen des Flussbeckens. Dadurch könne es zu einem „signifikanten Einfluss auf die Zusammensetzung der Tierwelt“ kommen, schreiben die Wissenschaftler.

Was also tun, um das Erbe von Escobar auszubremsen? Niemandem gefalle es, ein Nilpferd zu töten, aber es müsse akzeptiert werden, dass bislang keine andere Strategie funktioniert habe, sagte Castelblanco gegenüber internationalen Medien.

Auch die Kastration als Bremse habe nicht den erhofften Erfolg gebracht. Diese verlangsame zwar die Zunahme der Population, sorge aber nicht dafür, dass diese exotische Art wieder verschwinde.

Wohlwissend dass der Vorschlag, die Nilpferde zu töten, für eine emotionale Debatte sorgen werde, müssten auch andere Optionen geprüft werden. Aber es sei klar, dass Strategien wie die Kastration und Sterilisierung, das Einsperren in einen gewissen Raum nur eine ergänzende Maßnahme zur Sterbehilfe sein könnten.

RND

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