Die Art, wie Städtepartnerschaften gelebt werden, verändert sich. Der Gedanke des Friedens war schon in den Hintergrund gerückt. Jetzt erscheint Freundschaft zu Nachbarn wieder wichtiger denn je.

Unna

, 06.08.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn zum Stadtfest in diesem Jahr Vertreter aus Unnas Partnerstädten anreisen, dann wird darunter auch eine spannende Delegation aus dem ungarischen Ajka sein. Beate Kispal, im Büro des Bürgermeisters verantwortlich für die Städtepartnerschaften, erwartet einen Ratsherrn von den Sozialisten und einen von der rechten Partei. Auch Unnas italienische Partner rücken nach rechts. In Pisa hat sich in diesem Jahr ein Kandidat des Mitte-Rechts-Blocks als Bürgermeister durchgesetzt. „Umso wichtiger ist es, dass wir im Gespräch bleiben“, meint Kispal. Sie erkennt in Unna wie in den Partnerstädten nach wie vor einen Konsens: „Wir arbeiten hier für Europa.“ Sie habe in 28 Jahren als Unnas Partnerschaftsbeauftragte ohnehin schon „viele Bürgermeister kommen und gehen sehen“.

Daher weiß Kispal auch: „Auf kommunaler Ebene haben wir ganz andere Themen als in der Großpolitik.“ Schon immer hätten die Verantwortlichen in den Partnerstädten versucht, voneinander zu lernen, und das sei noch immer der Fall. So ist im Herbst ein Erfahrungsaustausch mit Waalwijk geplant. Eines der Hauptthemen: „Smart City“. Was E-Government und Informationstechnik in der Verwaltung angeht, seien die Niederländer wohl etwas weiter. Unnas Rathaus kann lernen. Das wäre nicht zum ersten Mal der Fall. Der Ordnungsdienst, der in Unna seit einigen Jahren durch die Stadt patrouilliert, sei nach dem niederländischen Modell konzipiert, sagt Kispal. Umgekehrt zeigt die Hellwegstadt anderen den Weg. Im ungarischen Ajka wurde Anfang der 1990er-Jahre ein Bürgeramt nach Unnaer Vorbild eingerichtet, auch eine Einrichtung wie das Unnaer ZIB gibt es dort. Und vor zwei Jahren erst ließen sich Waalwijker Verwaltungsleute in der Erstaufnahmeeinrichtung in Massen zeigen, wie Migration organisiert wird.

Unna und die Nachbarn wollen Europa jetzt erst recht leben

„De Halve Zoole“: Die Marschkapelle aus Waalwijk sorgt regelmäßig beim Stadtfest in Unna für Stimmung. © Borys Sarad

Von Bürger zu Bürger

Mindestens ebenso wichtig wie den Austausch von Ratsvertretern und Verwaltungsfachleuten findet Kispal die Begegnung von Bürgern. An große Austauschfahrten denken einige inzwischen wehmütig zurück. So besuchten laut Kispal 2008 noch über 200 Waalwijker das Stadtfest in Unna. „So etwas haben wir nicht mehr“, sagt Kispal. Dem Eindruck, die Städtepartnerschaften seien 50 Jahre nach Gründung der ersten mit Waalwijk eingeschlafen, setzt sie aber eine Liste zahlreicher kleiner und auch größerer deutsch-niederländischer Aktionen in diesem Jahr entgegen. Beispiele: Die Senioren-Union Unna besuchte den „Königstag“. Jugendfußballer kickten in Waalwijk, alleine die JSG Unna-Billmerich setzte 20 Privat-Pkw in Bewegung. Eine Kulturhauptstadt-Reise führte Unnaer nach Leeuwarden und Waalwijk, der VHS-Niederländischkurs besuchte zum Semesterabschluss die niederländische Partnerstadt. Umgekehrt begrüßten die Unnaer den Waalwijker Bürgermeister bei dessen offiziellem Besuch und den „Fietsclub“ aus der Partnerstadt beim Drahteselmarkt. Und am Samstag erst spielte die „Duinstedenkapel“ wieder auf dem Unnaer Seniorentag.

Schmales Budget

Zur Förderung des Austauschs stehen Beate Kispal 30.000 Euro im Jahr zur Verfügung. Das Budget sei ein Bruchteil dessen, was sie zu Beginn ihrer Tätigkeit ausgeben durfte,  umso wichtiger sei die Suche nach Fördermitteln geworden. Trotz knapper Kasse aber gebe es für Privatleute, Vereine und Schulen immer noch die Möglichkeit, Zuschüsse zu bekommen, wenn sie Partnerstädte besuchen oder Besucher von dort bei sich aufnehmen möchten. Zudem will sich Kispal als Teil eines hilfreichen Netzwerks verstanden wissen, indem sie vieles organisiert und begleitet, Kontaktdaten oder Hotels vermittelt.

Besonders die Förderung der Jugendarbeit sei ein wichtiges Ziel. Kispal begrüßt das Engagement der Unnaer Schulen. „Einige leisten eine tolle Europaarbeit.“

Unna und die Nachbarn wollen Europa jetzt erst recht leben

Im Stadtbild zeugen Straßennamen und an Ortseingängen diese Übersichtstafeln von Partnerschaften mit Städten in Europa. Mehr oder weniger rege Kontakte halten die Unnaer mit sechs Orten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Italien und Ungarn. © Marcel Drawe

Mit Waalwijk fiing alles an

Die älteste Partnerschaft unterhält Unna mit Waalwijk in der niederländischen Provinz Noord-Brabant. Unna und Waalwijk sind seit 1968 miteinander verbunden.

Nur unwesentlich jünger ist die Partnerschaft mit Palaiseau. 1969 wurde der Vertrag mit der 30.000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Paris geschlossen. Hier kann also nächstes Jahr auch 50-Jähriges gefeiert werden.

1969 wurde auch die Städtefreundschaft mit der Moselgemeinde Enkirch offiziell. Das Weindorf schickt zum Stadtfest alljährlich eine Delegation inklusive der Weinhoheiten.

Eine weitere deutsch-deutsche Partnerschaft besteht zwischen Unna und Döbeln. Der Partnerschaftsvertrag mit der Kleinstadt in Sachsen wurde 1989 besiegelt, noch kurz vor der Wende. Unna leistete wichtige Beiträge zur Aufbauarbeit.

Die ungarische Stadt Ajka hat rund 20.000 Einwohner und liegt nicht weit vom Plattensee. Die Städtepartnerschaft mit Unna besteht seit 1990.

Unnas jüngste Freunde sind Italiener. Pisa, die Stadt des Schiefen Turms, unterhält seit 1996 eine Partnerschaft mit Unna. Spürbar ist das im Stadtleben vor allem beim Fest „Un(n)a Festa Italiana“ alle zwei Jahre.

Beate Kispal, Büro des Bürgermeisters, Rathaus, Zimmer 108 Bürozeiten: montags bis donnerstags, 8.30 bis 12 Uhr und 13.30 bis 15.45; freitags, 8.30 bis 12.30 Uhr Tel. (02303) 103-201,
beate.kispal@stadt-unna.de