Unser Mann bei Disney

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

50, 60 Leute stehen Schlange, vorne drängt sich ein Pulk von Neugierigen um den Mann am Tisch, der mit geübter Hand zeichnet. Erst ein paar Kreise, dann Ohren und Augenpartie - ah, Minnie Maus! Man merkt, Ulrich Schröder hat Jahrzehnte für Disney gearbeitet.

OBERHAUSEN

, 28.11.2016, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unser Mann bei Disney

Flott zeichnet Ulrich Schröder Figuren, die ihm in Fleisch und Blut übergingen.

Am Sonntag war der gebürtige Aachener, der 1984 als 20-Jähriger zum Konzern mit der Maus stieß, in der  Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zu Gast, wo die Ausstellung "Entenhausen - Oberhausen" noch Disneys Meister-Illustratoren präsentiert. Auch Ulrich Schröder, Spezialist für Titelblätter, ist in der Schau vertreten.

Star ohne Allüren

Der Mann ist ein Star, eine Marke unter dem Dach einer Weltmarke, die Kulturgeschichte schrieb und zum großen amerikanischen Pop-Kanon zählt. Star-Allüren hat Schröder nicht, im Gegenteil: Sein Ton ist von ausgesuchter Freundlichkeit, er hat ein Ohr auch für ausgefallene Wünsche großer und kleiner Donald-Fans, die an seinen Tisch kommen: "Sie möchten, dass ich den Stoffhund zeichne? Geben Sie mal her."

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Angelika Geschke strahlt. Die Reise aus Braunschweig hat sich gelohnt. Stoffhund "Brummi" bekam sie von ihrer Oma, erzählt sie. Ihr Glücksbringer wurde schon von vielen gemalt, als Batman und Spiderman von Comic-Grafikern, als Untoter im Stil von "The Walking Dead", im Strich der Simpsons. Jetzt bannt ihn Ulrich Schröder Disneyesk auf Papier, wie vorher sein berühmter Kollege Don Rosa. Noch ein Stück für Geschkes Kollektion.

Dagobert gezeichnet

Eigentlich ist Angelikas Ehemann Thorsten der Disney-Sammler im Hause Geschke. Ihm hat Schröder einen Dagobert gezeichnet. Der 48-Jährige weiß noch, welches sein erstes "Lustiges Taschenbuch" war, "Heft 39 von 1979, da war ich elf Jahre alt".

Heute hat er diverse Regalmeter aller "LTBs", besitzt zehn Schuber mit dem Werk von Disney-Legende Carl Barks, und ist noch immer angetan von Entenhausen: "Die Geschichten erzählen von Mut und Ehrlichkeit, von Geiz und Gier, es stehen Moral und Lerneffekt dahinter. Was Sie dort zu Physik oder Geschichte lesen, ist wahr, da habe ich mir als Kind viele Fakten beim Lesen der Comics gemerkt."

Für alle von 8 bis 88

Schröder dürfte es gerne hören, dieses Lob liegt ganz auf seiner Linie. "Ich finde nicht, dass der Kosmos Entenhausen nur etwas für Kinder ist", sagt er, während seine Rechte mit dem Stift schwungvolle Bögen beschreibt und die Linke eine Disney-Puppe hält, die er für eine Dame zeichnet. "Es ist wirklich so. Ich glaube, unsere Geschichten wenden sich an alle von acht bis 88."

Auch der 52-jährige Schröder wurde als Kind von Donald "angefixt". Als Acht-Jähriger malt er ein eigenes Micky-Maus-Heft, in der Schule verblüfft er Klassenkameraden, weil er im Nu einen Disney-Charakter aufs Papier werfen kann.

Artdirector in Paris

Nach dem Abitur bewarb er sich bei der deutschen Disney-Filiale in Frankfurt - und wurde sofort eingestellt. Drei Jahre war er als Comiczeichner tätig, dann als selbstständiger Werbegrafiker, bevor er 1989 als Artdirector für Disneys Lizenzartikel nach Paris ging.

Mit seinem Studio "Duckworks" berät Schröder Disneys Künstler und Texter, als Freiberufler ist er an Disney-Produktionen beteiligt. Dass ihm deren Figuren in Fleisch und Blut übergegangen sind, zeigte Schröder in der Ludwiggalerie, flink mit dem Stift, freundlich, extrem professionell.

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: "Entenhausen - Oberhausen", bis 15.1.2017, Konrad-Adenauer-Allee 46, Di-So 11-18 Uhr.