Unterhaltsame Geschichte kultureller Vielfalt

Malmsheimer beim Zeltfestival

Ein bisschen anti-deutsch und zugleich für eine multikulturelle Gesellschaft werbend: Jochen Malmsheimers Abend beim Zeltfestival stand deutlich unter dem Zeichen von NSU und Flüchtlingsdrama – lustig wurde es am Samstagabend trotzdem.

BOCHUM

, 30.08.2015, 13:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unterhaltsame Geschichte kultureller Vielfalt

Jochen Malmsheimer beim Zeltfestival Ruhr 2015.

Es war – blickt man in die Literaturgeschichte – schon immer die Aufgabe der Hofnarren und Clowns, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und sie so zu verpacken, dass das Publikum dennoch darüber lachen kann. Weil sich durch den Humor der ernste Inhalt besser vermitteln lässt. Und je kunstvoller dabei der Umgang mit Sprache, desto ernstere Botschaften lassen sich transportieren.

Dass Jochen Malmsheimer ein Meister der Sprache ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Doch mit seinem neuen Programm, mit dem er am Samstag beim Zeltfestival gastierte, legte der in Bochum aufgewachsene Kabarettist die Messlatte noch einmal deutlich höher.

Wortgewaltig redet sich Malmsheimer in Rage – mal über „die Hose“, die er darum bittet zum früheren, eleganten Beinkleid zurückzukehren; mal über das Fernsehen, das den eigenen Anspruch, über die Welt zu informieren und zu bilden, längst aus den Augen verloren hätte.

Seitenhieb auf Oberbürgermeisterin

Anspielungsreich und voller Witz, wenn auch manchmal der etwas dunkleren Art, auch die Passagen, die unter dem Einfluss des Flüchtlingsdramas und der Entdeckung des NSU stehen. In einem langen Stück im zweiten Teil des Abends wirbt Malmsheimer für Toleranz und Weltoffenheit – und macht das auf eine Art, die jedem Germanisten ein Lächeln ins Gesicht zaubern muss.

Denn statt Menschen, die sich ausgrenzen und sich gegenseitig zu tolerieren lernen müssen, lässt Malmsheimer personifizierte Wörter in einen Dialog treten. Das Ergebnis ist eine urkomische und lehrreiche Abhandlung über Lehnwörter und den Einfluss verschiedenster Sprachen auf das, was wir heute als Deutsch begreifen.

Die Lokalpolitik hingegen, sie blieb dieses Mal außen vor. Lediglich an einer Stelle kann sich Malmsheimer einen Seitenhieb nicht verkneifen: Als er feststellt, dass die Bühnencrew ihm kein Wasser hingestellt hat und sich – nicht ganz ernst gemeint – darüber beklagt, bald zu verdursten, sinniert er kurz darüber nach, ob das nicht die Rache von Ottilie Scholz sein könnte.

Damit spielte er auf seine Eröffnungsrede des Zeltfestivals im Jahr 2010 an. Damals hatte Malmsheimer in einer Brandrede mit der Kommunalpolitik in Bochum abgerechnet – und damit für Verstimmung bei der Oberbürgermeisterin gesorgt.