Unwetter „Cleopatra“ stürzt Sardinien ins Chaos

Klimawandel?

Das Unwetter „Cleopatra“ ist über Sardinien gefegt und hat zahlreiche Menschen in den Tod gerissen. Autos, Bäume, Brücken, halbe Häuser - nichts ist mehr dort, wo es zuvor war. Die Schäden? Noch gar nicht absehbar. Die Frage, die sich viele einmal mehr und unweigerlich stellen: Ist es der Klimawandel?

Cagliari

von Von Sabine Dobel

, 19.11.2013, 20:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Präsident der Region, Ugo Cappellacci, sagte in einem Telefoninterview mit Rai News: »Die Situation ist leider wirklich dramatisch.«

Der Präsident der Region, Ugo Cappellacci, sagte in einem Telefoninterview mit Rai News: »Die Situation ist leider wirklich dramatisch.«

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Cleopatra wütet auf Sardinien

Sintflutartige Regenfälle haben auf Sardinien eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Flüsse werden zu reißenden Fluten, Straßen sind unpassierbar, Brücken stürzen ein.
19.11.2013
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Durch die Straßen der besonders betroffenen Stadt Olbia im Norden der Insel ergossen sich schmutzigbraune Sturzbäche, darin schwamm Hausrat. Mancherorts wurden Autos komplett überspült, Bilder zeigten Feuerwehrmänner, die bis zur Brust im Wasser standen. Straßen wurden unpassierbar, Brücken stürzten ein - und das ganze Ausmaß der Schäden ist noch gar nicht absehbar.

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Cleopatra wütet auf Sardinien

Sintflutartige Regenfälle haben auf Sardinien eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Flüsse werden zu reißenden Fluten, Straßen sind unpassierbar, Brücken stürzen ein.
19.11.2013
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Italien steht einmal mehr vor einer Herkulesaufgabe. Ministerpräsident Enrico Letta sprach von einer „nationalen Tragödie“ und einem „dramatischen Ereignis“. Die Regierung rief den Ausnahmezustand aus und stellte 20 Millionen Euro an Soforthilfe zur Verfügung. Der Chef des Zivilschutzes, Franco Gabrielli, reiste am frühen Morgen in das Katastrophengebiet, um die Arbeiten der zu hunderten eingesetzten Helfer zu koordinieren.

Papst Franziskus nahm via Twitter Anteil und hat zum Gebet für die zahlreichen Opfer nach den schweren Unwettern auf Sardinien aufgerufen. „Tief bewegt von der großen Tragödie, die Sardinien getroffen hat, fordere ich alle zum Gebet für die Opfer auf, insbesondere für die Kinder“, teilte der Pontifex am Dienstag auf seinem italienischsprachigen Account des Kurzmitteilungsdienstes mit. 

Profondamente commosso dall'immane tragedia che ha colpito la Sardegna, chiedo a tutti di pregare per le vittime specialmente per i bambini.

— Papa Francesco (@Pontifex_it)

Wo das Wasser abfloss, blieben Trümmer: Rai News zeigte Bilder eines Firmengebäudes, von dem die Flut eine ganze Ecke weggerissen hatte. Trümmer, darüber wenigstens kurz strahlende Sonne und blauer Himmel - ein gespenstisches Bild. Zumeist setzten die Rettungskräfte ihre Arbeit aber bei neuen Regenfällen fort.   

Die italienische Mittelmeerinsel Sardinien ist mit 23.800 Quadratkilometern etwa so groß wie Mecklenburg-Vorpommern und hat 1,6 Millionen Einwohner. Sie liegt zwölf Kilometer südlich der französischen Nachbarinsel Korsika. Das italienische Festland ist dagegen mit etwa 200 Kilometern weiter entfernt als Nordafrika. Einst galt Sardinien als Armenhaus Italiens. Ein Strukturwandel mit der Modernisierung der Landwirtschaft und Industrieansiedlungen (Öl- Verarbeitung, chemische Industrie) stoppte die Abwanderung von Sarden auf das Festland. Der Tourismus ist mit rund 2,4 Millionen Besuchern im Jahr ein wichtiger Wirtschaftszweig, 2011 kamen 218.000 Deutsche.

Italienische Reporter sprachen davon, dass sich das Klima den Tropen anzunähern scheine - und freilich drängt sich einmal mehr die Frage auf: Ist es der Klimawandel, wird es immer mehr solche verheerenden Unwetter geben? 

„Das aktuelle Ereignis kann nicht als direkte Folge des Klimawandels angesehen werden“, sagt der Diplom-Meteorologe Bernhard Mühr vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT in Karlsruhe. „Der Verdacht liegt aber nahe, dass das Potenzial für heftige Wetterereignisse mit Starkregen in einem wärmeren Klima zunimmt.“ Allerdings kämen immer mehrere Faktoren zusammen. Etwa habe sich der Starkregen einige Stunden lang über demselben Gebiet gehalten, und auch die Strömungsverhältnisse in den oberen Schichten der Atmosphäre spielten eine wichtige Rolle.  „Mit Sicherheit fiel vielerorts innerhalb weniger Stunden mehr Regen als sonst im ganzen Monat, etwa in Olbia, möglicherweise lokal sogar ein Vielfaches der üblichen Monatsmenge“, sagt Mühr. In Olbia wurden 93 Liter Regen auf den Quadratmeter binnen zwölf Stunden gemessen. „Es ist davon auszugehen, dass im Bergland gebietsweise sogar mehrere hundert Liter pro Quadratmeter niedergegangen sind.“ Normalerweise beträgt der Niederschlag auf Sardinien im gesamten November durchschnittlich 76 Liter pro Quadratmeter. 

Noch gibt es keine Entwarnung für die Menschen auf Sardinien: Im gesamten zentralen Mittelmeerraum soll es auch in den nächsten Tagen viel Regen mit der Gefahr von Überschwemmungen geben. „Das Tiefdruckgebiet bleibt bestehen und regeneriert sich immer wieder“, sagte Mühr. „Auch für Sardinien können weitere kräftige Regenfälle nicht ausgeschlossen werden.“