Unwetter mitten im Sommer

BOCHUM Ein schweres Hitzegewitter hat die Feuerwehr über Stunden in Atem gehalten. Zwei Dachstühle gerieten am Samstag nach Blitzeinschlägen in Brand, zahlreiche Keller liefen voll. Beim Kemnader See- und Hafenfest flogen Zelte weg.

27.07.2008, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach einem Blitzeinschlag geriet dieser Dachstuhl in Sevinghausen in Brand. Die Feuerwehrhatte die Situation schnell unter Kontrolle.

Nach einem Blitzeinschlag geriet dieser Dachstuhl in Sevinghausen in Brand. Die Feuerwehrhatte die Situation schnell unter Kontrolle.

"Mit einem Mal kam eine Windböhe!", schildert Textilien und Kleidungshändlerin Theodora Finke die Situation. Nichts ahnend hatten sie am Mittag ihr Verkaufszelt aufgebaut. Wenige Stunden später war voller körperlicher Einsatz gefragt. "Wir beide haben uns an die Seiten des Zeltes gehängt, als es drohte wegzufliegen", so Theodora Finke. Großen Schaden hat ihre Ware Gott sei Dank nicht genommen.

Hoher Sachschaden

Ganz anders sah es bei ihrer Nachbarin aus. "Das ganze Zelt der Verkäuferin neben uns ist weggeflogen. Sie war alleine und konnte deshalb die Zeltplane nicht festhalten." Auf dem matschigen Boden verteilt sind nur noch die Reste ihrer Modekollektion. Der wirtschaftliche Schaden, den die Verkäuferin durch das Unwetter genommen hat, ist noch nicht einzuschätzen. Modeschmuck-Händlerin Sandra Skupski-Vrecar hingegen sieht schon welchen Schatten der Sturm für sie hinauswirft: "Diese eine riesige Windböe kann mich tausende kosten", prophezeit sie den Schaden. Ihr Zelt ist mit der Böe komplett aufgerissen. Windspiele, Armbänder und Ketten, die sie am Samstag Mittag sorgfältig und liebevoll an den Innenwänden ihres Zeltes aufgehangen hatte, lagen nach dem Sturm wüst auf dem Boden verteilt.

Zerbrochene Holzdekorationen und durchnässter Federschmuck lassen erahnen, welche Kraft der Wind gehabt haben muss. "Mit so einer Katastrophe habe ich nicht gerechnet. Schon gar nicht Ende Juli", so Skupski-Vrecar.

Tiere in Sicherheit

Noch schlimmer traf es Anwohner in Wattenscheid. Im Schultenweg in Sevinghausen fingen gegen 16.30 Uhr nach einem Blitzeinschlag die in einer Scheune gelagerten Strohballen Feuer. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte quoll dichter Rauch aus dem Dach des Gebäudes. Unter schwerem Atemschutz konnte die Wehr das Feuer schnell unter Kontrolle bringen. Um auch letzte Glutnester ablöschen zu können, mussten unzählige Strohballen herausgezogen werden. Menschen kamen auch hier zum Glück nicht zu Schaden, die Tiere des landwirtschaftlichen Betriebs konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Ebenfalls ein Blitzeinschlag war die Ursache für ein Feuer am Langacker. Hier gerieten Dämmstoffe eines Daches in Brand. Noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelang es den Bewohner, das Feuer zu löschen. Mit einer speziellen Wärmebildkamera konnten die Einsatzkräfte der Innenstadtwache noch einige Glutnester lokalisieren und löschen.

Gefordert war die Feuerwehr auch Am Schamberge. Nach schweren Regenfällen stand das komplette Kellergeschoss eines Mehrfamilienhauses sowie vier Garagen vollständig unter Wasser. In zwei Garagen befanden sich noch PKWs. Während die Wehr das Wasser aus den Räumen pumpte, schalteten die Stadtwerke aus Sicherheitsgründen Gas- und Strom ab.

Vor einem ganz anderen Problem standen zahlreiche Bochumer, die ihre Heimatstadt nicht mehr erreichen konnten. Nachdem in der Nachbarstadt Dortmund der S-Bahnhof Universität voll Wasser gelaufen war, musste die Deutsche Bahn den S-Bahn-Verkehr zwischen Bochum und Dortmund einstellen.

Fan-Fest abgesagt

Bis Sonntag gegen 6 Uhr war die Feuerwehr Bochum im Einsatz, um Keller leer zu pumpen oder umgestürzte Bäume (z. B. am Wattenscheider Hellweg) von den Fahrbahnen zu räumen. Doch unter dem Strich war die Schadenslage in unserer Stadt viel geringer als in der Nachbarstadt Dortmund. Gleichwohl entschied sich der VfL Bochum dazu, sein Fan-Fest aus Sicherheitsgründen abzusagen. Das Saison-Vorbereitungsspiel konnte aber wie geplant stattfinden.