Urgestein der Dortmunder Gastro-Szene hat neuen Laden

"Hubert's" an der Hansastraße

Lange Zeit war der Anfang der Hansastraße oberhalb des Hansaplatzes gastronomisch tot. Doch jetzt hat dort wieder ein Lokal aufgemacht: "Hubert's" heißt es und atmet den Geist alter Ruhrpott-Gaststätten. Betrieben wird es von einem legendärem Dortmunder Wirt.

DORTMUND

, 21.06.2017, 02:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zehn Jahre „Oma Rock“ in der Hand (auf dem Foto bekannte Dortmunder wie Geschäftsmann Willi Kühne und Entertainer Winnie Appel) und sein neues Lokal im Rücken: Hubert Breuer ist der Wirt an der Hansastraße 74.

Zehn Jahre „Oma Rock“ in der Hand (auf dem Foto bekannte Dortmunder wie Geschäftsmann Willi Kühne und Entertainer Winnie Appel) und sein neues Lokal im Rücken: Hubert Breuer ist der Wirt an der Hansastraße 74.

Hubert Breuer, tatsächlich schon im 65. Lebensjahr, Urgestein der Ausgehszene, will es noch einmal wissen. Eine schwere Krankheit hatte den legendären Gastgeber einstiger In-Adressen wie der Disco „Number One“, „Oma Rock“ oder „Café Schuberts“ aus dem Verkehr gezogen. Nur vorübergehend.

Sein neues Lokal ist ein altes: Aus „Op de Tenne“ wurde „Hubert‘s“, nur drinnen ist (fast) alles beim Alten geblieben: dunkles Holz, Decken-Balken, gekachelter Tresen mit neuen Barhockern, an den Wänden Fotos von Promis aus Borussen-Reihen und der Dortmunder Gesellschaft – ein Stück Zeitgeschichte, Rückblick in die wilde Wirte-Ära.

"Komm‘, wir gehen zum Hubert"

Der erste Gast des Morgens bestellt ein großes Pils, 10 Uhr zeigen die Zeiger am Handgelenk. Eine Passantin eilt über die Hansastraße und steht im Türrahmen vom Haus Nummer 74: „Ist hier wieder geöffnet?“. Seit drei Wochen. Über ein Jahr passierte hinter der Tür von „Op de Tenne“ nichts, doch jetzt schmeißt Breuer den Laden, der nun so heißt wie er und anknüpft an die Zeit, als es in Dortmund hieß: „Komm‘, wir gehen zum Hubert.“

Eigentlich sollte der Mann mit der Keith-Richards-Matte auf dem Kopf ja Elektrotechniker werden, was der gebürtige Aachener auch brav tat. Nach seinem Abschluss an der Techniker-Schule aber zog es den jungen Spund nach Spanien, wo es ihm so gut gefiel, dass er Woche für Woche bei Mama anrief, um ihr mitzuteilen: „Ich bleibe noch“.

Von der Costa Brava nach Dortmund

Das Geld für den Dauerurlaub, der zehn Monate währte, verdiente sich Breuer mit Aushilfsjobs in den Kneipen und Restaurants an der Costa Brava. Dann flog er für genau einen Tag nach Hause, um am 7. 7. 1977 die Zelte endgültig in Dortmund aufzuschlagen.

Tony Gronen, damals eine bekannte Szene-Größe in Düsseldorf, wollte ein zweites „Number One“ in Dortmund aufmachen und fragte Breuer, ob er mit an Bord sei. Drei Jahre schmiss dieser die Disco hinter dem späteren „Rigoletto“.

Das "Oma Rock" war legendär

Zwischendurch tanzte Hubert noch auf einer zweiten Hochzeit: Mit „Oma Rock“ im früheren Kepa-Haus an der Brückstraße hatte er eine legendäre Adresse eröffnet. 1991 folgte dann das „Café Schuberts“ im damaligen Haus „Jeans 2000“ des Dortmunder Geschäftsmanns Willi Kühne – gegenüber vom Juwelier Rüschenbeck. Auch 18 Jahre Bewirtung im „Las Salinas“ an der Kleppingstraße gehören zu Breuers Vita und vieles mehr.

Leider folgte eine sehr schwere Krankheit, die Hubert vor allem mit Hilfe seiner Frau Magdalena meisterte. Vor elf Jahre ging der Rastlose vor Anker im berühmten Ehehafen. Magdalena war endlich die Richtige. Kam, sah und siegte sie damals in einem seiner Läden? „Na, wie man das so macht“, sagt Breuer und kneift zwei Augen zu, „man lädt eine Frau auf einen Rotwein ein und dann war sie es eben.“

Feier zu 40 Jahren Gastronomie

Am 7. 7. 2017 möchte Hubert Breuer ab 20 Uhr mit Gästen seine 40 Jahre in Dortmund feiern. Im rustikalen „Hubert‘s“ will er Gastwirt für alle Altersgruppen sein, gleich ob 20 oder 85 Jahre alt. Auf der Speisekarte mit einigen wöchentlich wechselnden Angeboten kostet kein Gericht über 10 Euro. Außerdem fehlen weder Salzkuchen, Frikadelle noch Spiegeleier mit Bratkartoffeln.

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