US-Wahllokale schließen nicht gleichzeitig: Bis wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen?

Wahlen in den USA

Mit Spannung blickt die Welt auf die USA, wo die Bürger den Präsidenten für die kommenden vier Jahre wählen können. Doch die Wahllokale an der Ostküste schließen früher als an der Westküste.

Berlin

03.11.2020, 15:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Wahlhelfer verteilt einen Aufkleber "I Voted" (Ich habe gewählt).

Ein Wahlhelfer verteilt einen Aufkleber "I Voted" (Ich habe gewählt). © picture alliance/dpa

Die USA erstrecken sich über sechs Zeitzonen, deshalb schließen die Wahllokale in den östlichen Bundesstaaten Stunden früher als an der Westküste. In Deutschland ist es dann Nacht. Ein Überblick mit Zeitangaben in Mitteleuropäischer Zeit MEZ:

Wahllokale an der Ostküste

Zu den Staaten an der US-Ostküste beträgt die Zeitverschiebung von der dort geltenden Eastern Standard Time (EST) zur Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) sechs Stunden. Wenn in weiten Teilen von Kentucky und Indiana am Abend des 3. November die ersten Wahllokale schließen, ist es in Deutschland bereits Mitternacht. In Florida können die Wähler - genauso wie in vielen anderen Staaten an der Ostküste - bis 1.00 Uhr MEZ abstimmen.

In North Carolina und Ohio werden die Wahlurnen um 1.30 Uhr MEZ versiegelt. In anderen Bundesstaaten, etwa in Pennsylvania und Michigan sowie in der Hauptstadt Washington D.C. dürfen die Wähler bis 2.00 Uhr MEZ abstimmen. Erst um 3.00 Uhr MEZ schließen die Wahllokale in New York. Traditionell gibt das Dorf Dixville Notch im Bundesstaat New Hampshire als erstes das Ergebnis seiner Handvoll Wähler bekannt.

Wahllokale im Zentrum der USA und an der Westküste

In den Bundesstaaten im Zentrum der USA (Central Time) schließen die Wahllokale zwischen 2.00 Uhr MEZ (etwa in großen Teilen von Texas und Kansas, in Oklahoma, Missouri und Illinois) und 4.00 Uhr MEZ (Iowa). In den US-Bundesstaaten Minnesota und Wisconsin können die Wähler bis 3.00 Uhr MEZ ihre Stimme abgeben. Auch der Staatengürtel, der in einer Zeitzone mit Mountain Time (MT) liegt, schließt seine Wahlen in diesem Zeitraum ab. Dazu zählen etwa die Bundesstaaten Arizona, Colorado und Utah.

Der größte Bundesstaat an der Westküste, der sich in der Zeitzone mit Pacific Time (PT) befindet, ist Kalifornien. Wenn die Wahllokale dort um 20 Uhr Ortszeit schließen, ist es in Deutschland bereits 5 Uhr MEZ in der Früh. Im Nachbar-Bundesstaat Nevada ist die Wahl eine Stunde früher vorbei, um 4.00 Uhr MEZ. In Oregon und Washington ist am Wahltag nur wenig los. Hier haben die meisten Wähler dann bereits per Briefwahl abgestimmt.

Zum Schluss Alaska

Hawaii und Alaska sind die Schlusslichter in der langen Reihe der Staaten. Die Inselbewohner können ihre Stimme bis 6 Uhr MEZ morgens abgeben. Auch in weiten Teilen Alaskas sind die Wahllokale bis 6 Uhr MEZ geöffnet, auf den Aleuten noch eine Stunde länger, bis 7 Uhr. Wenn diese im nördlichsten Bundesstaat schließen, ist die US-Wahl beendet.

Grundsätzlich können Briefwähler lange vor der Wahl am 3. November abstimmen. Zudem bieten die meisten Bundesstaaten auch schon vorab die Möglichkeit einer Abstimmung in Wahllokalen an. In Minnesota, South Dakota, Vermont, Virginia, Wyoming und Illinois etwa konnte schon im September abgestimmt werden.

Die wichtige Rolle der US-Medien

In den USA gibt es keine Wahlbehörde, die zeitnah die Ergebnisse für das ganze Land bekannt gibt. Resultate werden nach und nach vor Ort - also in Wahllokalen, Bezirken und Bundesstaaten - veröffentlicht. Eine wichtige Rolle kommt daher großen US-Medien zu, die örtliche Ergebnisse zusammentragen und diese teils mit anderen Daten kombinieren, um zu prognostizieren, wer eine Wahl gewonnen hat.

Wann ist mit dem Ergebnis der US-Wahl zu rechnen?

Bei den vergangenen Präsidentenwahlen stand der Sieger meist noch in der Wahlnacht fest, dieses Mal könnte es deutlich länger dauern. Experten gehen davon aus, dass wegen der Pandemie wesentlich mehr Menschen per Briefwahl abstimmen werden. Daher könnte sich die Auszählung in manchen Bundesstaaten womöglich um einige Tage verzögern. Wer ins Weiße Haus einzieht, könnte letztlich vom Ergebnis in einem oder zwei Staaten abhängen. Deshalb gibt es keine sichere Prognose für die Zeit des Endergebnisses.

In der Wahlnacht, also am Mittwochmorgen MEZ, dürfte es bereits aus zahlreichen Bundesstaaten zuverlässige Ergebnisse geben. Daran lässt sich womöglich bereits eine Tendenz ablesen.

In Bundesstaaten wie Arizona, Florida, Michigan, North Carolina und Pennsylvania werden ganz enge Rennen zwischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden erwartet. Als Folge könnte es Klagen und Forderungen nach einer Neuauszählung geben. Im Jahr 2000 etwa stand das Ergebnis im Bundesstaat Florida, das letztlich auch über die Präsidentenwahl entschied, erst gut einen Monat nach der Wahl fest.

Fast 100 Millionen Wähler haben schon abgestimmt

Schon vor dem Wahltag hatten knapp 99,7 Millionen Bürger per Brief oder in vorab geöffneten Wahllokalen abgestimmt, wie aus Daten des „U.S. Elections Project“ hervorging. Das entsprach rund 70 Prozent der im Jahr 2016 bei der Präsidentenwahl abgegebenen Stimmen.

Experten besorgt zum Beispiel, dass in den wichtigen Bundesstaaten Pennsylvania und Wisconsin die Briefwahlunterlagen erst am Wahltag geöffnet werden dürfen. Deren Auszählung ist zudem komplexer als das Zählen normal abgegebener Stimmen, deshalb könnte sich alles verzögern. Die beiden Staaten könnten bei der Wahl das Zünglein an der Waage sein.

Wegen des Mehrheitswahlrechts könnte einem Kandidaten dort theoretisch schon ein Vorsprung von ein paar Hundert Stimmen den Sieg sichern. Bei einem knappen Rennen ließe sich daher vor Auszählung aller Briefwahlstimmen kaum ein zuverlässiges Ergebnis ermitteln.

Zudem wollen Umfragen zufolge mehr Demokraten als Republikaner die Briefwahl nutzen. Daher könnten erste Ergebnisse aus den Wahllokalen mancherorts Präsident Donald Trump in Führung sehen, die Auszählung der Briefwahlunterlagen letztlich aber Joe Biden zum Sieg verhelfen.

RND/dpa