Vater der Oper bleibt unvergessen

Wilhelm Schüchter

Der Dortmunder Generalmusikdirektor Gabriel Feltz wird am Samstagabend (12.3.) in der Oper Dortmund die Jubiläumsvorstellung von Strauss' "Rosenkavalier" leiten. Vor 50 Jahren, als mit diesem Werk das neue Opernhaus in Dortmund eröffnet wurde, stand Wilhelm Schüchter, damals 54 Jahre alt, am Pult. Und der ist bis heute in Dortmund eine Legende.

DORTMUND

, 11.03.2016 / Lesedauer: 2 min
Vater der Oper bleibt unvergessen

Wilhelm Schüchter.

Die älteren Opern- und Konzertbesucher bekommen glänzende Augen, wenn sie sich an den Mann erinnern, der mit Härte und Konsequenz das Dortmunder Orchester zu einem Eliteensemble geformt hat und es zum A-Orchester machte. Und sie beschweren sich immer wieder, dass die Stadt Schüchters Grab in Dortmunder-Großholthausen nicht gut pflegt.

Glanzvollste Ära

Am 1. März 1966 wurde Schüchter zum künstlerischen Leiter der Oper auf Lebenszeit berufen. Bis zu seinem plötzlichen Tod acht Jahre später war die Ära Schüchter die glanzvollste des Musiktheaters und Konzerts.

"Unvergessen bleiben seine Bewerbungskonzerte, als es um die Nachfolge von Rolf Agop ging. Vom Capitol zogen wir in die Westfalenhalle und erlebten, wie Wilhelm Schüchter, der aus Tokio kam und von Einspielungen vor allem mit Rudolf Schock bekannt war, vorstellte", erinnern sich die Konzertfans Ursula und Volker Linnigmann: "Wir hörte ein total anderes Orchester, einen bis dahin nicht erlebten Bläserklang."

Eröffnungspremiere mit Starbesetzung

Die Konzerte im Opernhaus waren danach stets ausverkauft; die Abos wurden damals noch vererbt, Karten gab es nur mit Glück. Und auch die Oper erlebte eine glanzvolle Zeit. Für die Eröffnungspremiere brachte Schüchter eine Starbesetzung auf die Bühne mit Elisabeth Grümmer als Marschallin, Kurt Böhme als Ochs, Teresa Zylis-Gara als Octavian, Liselotte Hammes als Sophie und Benno Kusche als Faninal.

Schüchter war zielstrebig, unerbittlich und explosiv - ein General, vor dem alle Respekt hatten. Schon um das Eröffnungsdatum des Opernhauses (3.3.1966) kam es zum Streit zwischen ihm und Opernchef Hermann Schaffner. Der Intendant überließ ein Jahr später Schüchter die alleinigeLeitung der Oper.

Unerwarteter Tod

Nach einer Erkrankung im Frühjahr 1974 starb Schüchter am 27. Mai 1974 unerwartet. "Wir haben unseren künstlerischen Vater verloren", sagte Theaterleiter Dieter Geske bei der Trauerfeier. Eine Partitur von Beethovens "Fidelio" mit einer Widmung von Wilhelm Schüchter liegt im Grundstein des Konzerthauses. Als Mahnung, die glanzvolle Basis für die neue Musikstadt Dortmund nie zu vergessen.