Velener Familie sucht dringend Pflegedienst für die 19-Jährige Celine

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Celine Oeing aus Velen (19) ist seit ihrer Geburt Beatmungspatientin. Sie benötigt rund um die Uhr Unterstützung. Der bisher tätige Pflegedienst hat ganz kurzfristig den Vertrag gekündigt.

von Lars Johann-Krone

Velen

, 06.09.2020, 11:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hex, hex“ schallt es aus dem Fernseher im Wohnzimmer der Familie Oeing. Celine Oeing schaut mit ihrer Mutter Ariane ihre Lieblingsserie im Fernsehen: Bibi Blocksberg, die kleine Hexe. An sich nichts Ungewöhnliches.

Wenn nicht auf dem Wohnzimmertisch ein Beatmungsgerät liegen würde, das Celine über einige Schläuche beim Atmen unterstützt. Sie ist 19 Jahre alt und seit ihrer Geburt Beatmungspatientin. Sie benötigt rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche Unterstützung durch einen Intensivpflegedienst.

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Aktuell wünscht sich Ariane Oeing auch, sie könnte hexen. Denn vor einigen Tagen hat urplötzlich der Pflegedienst, der sich um Celine kümmerte, den Vertrag gekündigt. Ab nächster Woche steht die Familie ohne Unterstützung da und sucht dringend Hilfe.

„Wo sind wir, dass Intensivpflegedienste so agieren dürfen, so kurzfristig kündigen dürfen?“, klagt Ariane Oeing. Sie prangert zudem die Kommunikation mit dem besagten Pflegedienst an, der zunächst zusagt habe, bis Ende September die Pflege aufrechterhalten zu wollen, dann aber nicht mehr zu der Aussage gestanden habe, berichtet Oeing.

Mutter als Krankenschwester übernimmt Grundpflege

Sie ist mit ihrer Tochter und ihrem zehnjährigen Sohn vor zweieinhalb Jahren nach Velen gezogen, hat dort so gebaut, dass ihre Tochter im Erdgeschoss eine eigene Wohnung hat, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.

Celine ist eine aktive und lebensfrohe junge Frau.

Celine ist eine aktive und lebensfrohe junge Frau. © Privat

Die alleinerziehende Mutter ist gelernte Krankenschwester und übernimmt auch die Grundpflege ihrer Tochter. Zudem arbeitet sie im Schichtdienst. „Aktuell muss ich aber zu Hause bleiben. Ich habe in den vergangenen Tagen nur telefoniert, mit rund 50 Pflegediensten und der Krankenkasse“, sagt Ariane Oeing.

Die 39-Jährige hat Kontakt zu Pflegediensten aufgenommen, um Ersatz zu finden. Auf die Schnelle sei das allerdings nicht möglich, sagt sie. „Es gibt zwar Pflegedienste, die einspringen könnten, die benötigen aber bis zu zwei Monate, um ein Pflegeteam einzurichten“, berichtet sie.

Celine ist bei klarem Verstand, kann aber nicht sprechen

Um einen Übergang zu sichern und damit Celine von einem Pflegedienst aufgenommen werden kann, sucht die Mutter nun dringend Unterstützung. „Damit Celine nicht in ein Pflegeheim muss“, sagt Ariane Oeing. „Eine stationäre Einrichtung würde einem aktiven und lebensfrohen jungen Mädchen nicht annähernd gerecht werden.“ Wichtig sei, dass es sich bei den möglichen Helfern um dreijährig examiniertes Personal aus der Altenpflege, Krankenpflege oder Kinderkrankenpflege handele, erklärt Oeing.

Celine ist bei klarem Verstand, kann allerdings nicht sprechen, kommuniziert mit ihren Armen und Händen und indem sie Ja und Nein sagt. An fünf Tagen in der Woche fährt Celine zur Schule in eine Einrichtung von Haus Hall. Mit Rollstuhl und Rollator ist sie mobil. Ständig an ihrer Seite ist allerdings auch ein Beatmungsgerät und eine Intensivpflegekraft – in der Schule, nachts im Nebenzimmer ihres Schlafraums und auch tagsüber.

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„Es handelt sich um eine 24-Stunden-Interventionsbereitschaft“, erklärt Ariane Oeing. Die Pfleger haben das Beatmungsgerät im Blick, beobachten die Vitalzeichen Celines, müssen mit ihr inhalieren, die Luftröhre von Sekret befreien und bei Krampfanfällen helfen. „Diese Aufgaben kann kein Mensch alleine erledigen“, sagt Oeing.

Mutter möchte nicht, dass der Sohn zu kurz kommt

Die alleinerziehende Mutter ist zwar gelernte Krankenschwester. Dass sie auch die medizinische Intensivpflege übernimmt, fände sie aber abstrus. „Ich bin Mutter, und das möchte ich auch für Celine sein. Fachlich könnte ich die komplette Pflege meiner Tochter übernehmen. Das geht einen Tag, zwei Tage, vielleicht eine Woche. Danach bin ich aber am Ende. Und Celine hat ja auch noch einen Bruder. Auch für ihn möchte ich da sein“, so Oeing. „Er kommt sonst zu kurz.“ Auch deshalb bedauert sie die Tatsache, dass sich Pflegedienste so aus einem Pflegeverhältnis herausschlängeln dürften.

Ariane Oeing und ihre Familie sind dringend auf der Suche nach Hilfe. Menschen, die helfen wollen, können sich telefonisch unter Tel. 0152/33741406 und per E-Mail an jane-online@web.de melden.

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