Verbraucherzentrale erweitert Angebot

Datenschutz und Co.

18.829 Anfragen und Kontakte verzeichnete die Verbraucherzentrale Bochum im Jahr 2014 – die Zugriffe auf das Beratungsangebot im Internet nicht eingerechnet. Wegen des großen Andrangs beraten Andrea Thume und ihr Team nur noch mit Termin. In den meisten dieser Gespräche geht es um Finanzen, doch auch andere Schwerpunkte haben sich im letzten Jahr ergeben.

BOCHUM

, 11.07.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Verbraucherzentrale erweitert Angebot

Umweltverbände fordern Fahrten mit der Bahn statt im Inland zu fliegen.

Mit rund 39 Prozent nehmen Beratungen rund um Finanzen den größten Platz im Beratungsbedarf ein. Hier ging es im Jahr 2014 um viele verschiedene Fragen, angefangen bei Bearbeitungsentgelten für Darlehen. Nach einem Gerichtsurteil hatten Kunden von Kreditinstituten das Recht auf Erstattung von zu Unrecht erhobenen Bearbeitungsentgelten.

Viele Kreditinstitute lehnten das mit "fadenscheinigen Begründen" ab, so die Verbraucherzentrale. Hier konnten die Berater in Bochum jedoch oft weiterhelfen. Genauo bei fehlerhaften Widerrufsbelehrungen bei Immobiliendarlehensverträgen. Marc Oldemeyer,Rechtsanwalt der Bochumer Verbraucherzentrale: „Das Recht zum Widerruf gilt nur für 14 Tage, doch ist die Belehrung nicht ausreichend, gibt es teilweise ein jahrelanges Widerrufsrecht."

Nicht immer ist der Widerruf sinnvoll. Auch darüber und über Forderungen von Inkassobüros klärt die Verbraucherzentrale auf. Hier gilt der Merksatz: Jede Forderung prüfen lassen!

Reiserecht

Seit Mitte 2014 berät die Verbraucherzentrale auch wieder rund um das Reiserecht – und kümmerte sich schon um einen gravierenden Fall: Kurz nach dem Abitur wollte eine Gruppe von Schulfreundinnen nach Mallorca fliegen. Der Flieger kam mit über drei Stunden Verspätung in Palma an.

Wegen technischer Probleme, so der Kapitän. Was folgte, war ein langes Hickhack mit der Fluggesellschaft um Ausgleichszahlungen. Denn bei einer so langen Verspätung haben Fluggäste ein Anrecht auf mindestens 250 Euro – selbst wenn der Ticketpreis darunter lag.

Die Fluggesellschaft weigerte sich, verwies auf ein Gewitter vom Vortag des Flugtages – selbst als die Mutter einer jungen Frau die Verbraucherzentrale einschaltete. „Das wollten wir so nicht akzeptieren“, sagt Beraterin Ursula Bömelburg. Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus: „Inzwischen gibt es eine Zusage für die Ausgleichszahlung“, so Bömelburg.

Doch nicht nur die Fluggastrechte stehen im Mittelpunkt der Beratungen: "Es gibt auch Menschen, die kommen mit einem Speicherstick mit 150 Fotos von Hotelmängeln und ähnlichem", sagt die Beraterin. Aber nicht immer kann die Verbraucherzentrale helfen. Denn damit die Ansprüche im Nachhinein geltend gemacht werden können, muss man sie bereits vor Ort ansprechen. "Gehen Sie zum Reiseleiter, melden Sie sich bei der Reisegesellschaft", sagt Bömelburg. Denn auch hier gelte der Grundsatz: "Immer kümmern!"

Rundfunkgebühren

Immer wiederkehrendes Thema bei den Bochumer Beratern sind die Rundfunkgebühren. Seit Anfang 2013 zahlt jeder Haushalt, egal ob es dort ein Gerät gibt oder nicht. „Doch man muss da immer auf zack sein“, sagt Ursula Bömelburg. Denn in Wohngemeinschaften komme es manchmal vor, dass mehrere Bewohner Rundfunkgebühren zahlen, obwohl nur einer zahlen müsste. Zudem gibt es das Problem der Direktanmeldung.

Wer umzieht und sich nicht selbst anmeldet, kann bei einem Abgleich der amtlichen Meldedaten direkt angemeldet werden – und erhält dann eine Nachzahlungsaufforderung. „So haben die Menschen schnell schon Schulden“, sagt Andrea Thume, Leiterin der Bochumer Beratungsstelle. Ihre Kollegin Ursula Bömelburg beklagt derweil, dass mit der Umstrukturierung des Beitrages nicht alles besser geworden sei: „Der Schriftverkehr hat deutlich zugenommen.“

Gleich zwei neue Schwerpunkte hat die Verbraucherzentrale in diesem Jahr mit in ihr Programm aufgenommen. Neben der Schuldenberatung für Erwerbstätige sind das Beratungen zum Thema Datenschutz in der digitalen Welt. Dabei geht es zum einen um den Umgang mit den eigenen, privaten Daten in sozialen Netzwerken wie Facebook und anderen. 

Zum anderen will die Verbraucherzentrale aber auch über die Grenzen und Risiken bei der Nutzung öffentlicher WLAN-Netzwerke aufklären. „Vertrauliche Daten oder Online-Banking sollte man in offenen Netzwerken, wie sie in Städten oder Restaurants angeboten werden, nicht benutzen“, sagt Andrea Thume. In diesem Bereich bietet die Verbraucherzentrale neben Einzelgesprächen auch Gruppenangebote an. Dort können Interessierte auch erfahren, ob es sich im Netz wirklich anonym surfen lässt.