Vergewaltigungs-Prozess: "Ich musste seine Füße küssen"

Landgericht Dortmund

Die Frau spricht von einem Albtraum, der Mann weist alle Schuld von sich: Im Prozess um eine mutmaßliche Vergewaltigung in einer Asylbewerber-Unterkunft in Nette stehen die Zeichen weiter auf Konfrontation.

NETTE

21.03.2017, 13:15 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Die Vergewaltigungs-Vorwürfe sind frei erfunden", beteuerte der Angeklagte am Dienstag noch einmal vor dem Dortmunder Landgericht. Eigentlich sei am angeblichen Tattag sogar alles in bester Ordnung gewesen. Bis es plötzlich an der Tür geklopft habe. Draußen soll ein Mitbewohner gestanden haben. "Er hat mir erzählt, dass er meiner Frau 20 Euro für Sex bezahlt habe", sagte der Angeklagte den Richtern. "Da bin ich sauer geworden." Passiert sei aber trotzdem nichts. Er habe seine Frau weder geschlagen noch vergewaltigt, sondern sofort die Wohnung verlassen.

Sexuelle Erniedrigung

Das Problem ist allerdings: Seine Noch-Ehefrau erzählt eine ganz andere Geschichte. Und zwar eine von Gewalt und sexueller Erniedrigung: "Er hat mir die Kleider runtergerissen, meine Unterwäsche zerrissen und mich nackt fotografiert." So steht es schon in den Vernehmungsprotokollen der Polizei, die am Dienstag vor Gericht verlesen worden sind. "Die Fotos wollte er bei Facebook hochladen, als Beweis, dass ich im Bordell war und erwischt worden bin." Aber das stimme ja alles überhaupt nicht.

Danach sei sie dann auch noch vergewaltigt worden. Dabei habe sogar das gemeinsame Kind zusehen müssen. "Er hat keinen Respekt", hatte die Frau bei der Polizei erzählt. "Ich musste sogar seine Füße küssen."

Mehrere Jahre Haft drohen

Der aus Syrien stammende Angeklagte behauptet dagegen, dass seine Frau ihn einfach loswerden wolle, weil er ihren westlich-freizügigeren Lebensstil nicht toleriere. Noch ist unklar, wie der Prozess ausgehen wird. Im Falle einer Verurteilung drohen auf jeden Fall mehrere Jahre Gefängnis.

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