Verliebt in Chopin

Chunhua Zhang spielte in Brechten

Der Geist des großen Frédéric Chopin leuchtete über der Alten Kirche in Brechten - in Form einer kleinen, zierlichen Frau mit wahren Zauberfingern: die Konzertpianistin Chunhua Zhang aus Detmold nahm sich dem Komponisten des 19. Jahrhunderts an und bannte das Publikum.

BRECHTEN

21.11.2011, 07:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Chunhua Zhang spielte in der Alten Kirche Werke von Chopin.

Chunhua Zhang spielte in der Alten Kirche Werke von Chopin.

In Zhangs Repertoire für den Abend standen unter anderem der Grand Valse Brillant in Es-Dur, das virtuose Scherzo in b-Moll, die Fantasie Impromptu in cis-Moll und die Nocturne in c-Moll. Zhang spielte die anspruchsvollen Werke ausnahmslos auswendig, technisch einwandfrei und brillierte besonders in schnellen Läufen, die sie locker, sauber und mit hoher Perfektion über die Tasten gleiten ließ. Trotz ihres eher harten Anschlags und manchmal etwas groben Spiels konnte sie die weichen Passagen besonders in den Mazurken und im zweiten Teil des Scherzos erstaunlich gefühlvoll und vorsichtig erklingen lassen. In der Polonaise und Fantasie in As-Dur hingegen verprügelte sie das Klavier regelrecht. Vielleicht genügte ihr das kleine Kirchenklavier nicht, auf jeden Fall aber wollte sie mehr Klang aus ihm heraus holen, als eigentlich möglich war. Dabei schaffte sie sich selbst.

Zweimal - nach dem Scherzo und der Fantasie Impromptu - lief sie für kleine Verschnaufpausen in die Sakristei und sorgte damit zeitweilig für Verwirrung im Publikum. „Es ist eben anstrengend, ein Stück wie das Scherzo zu spielen“, rechtfertigte Rebecca Hagedorn von den Brechtener Landfrauen das plötzliche Verschwinden der Pianistin. „Chopin berührt eben nicht nur das Ohr.“ Wie wahr - während der zwei Zugaben (Tristesse und Walzer in e-Moll) regnete es Stoff-Rosenblätter mit Parfum. Schrecklicher Kitsch, der aber glücklicherweise nicht die Überhand gewann. Die Kunst bestimmte den Abend.

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