Vermisste Maddie: Polizei beendet Grabung in Gartenanlage - doch was hat sie gefunden?

Kriminalität

Am Stadtrand von Hannover haben die Ermittler am Mittwochabend ihre Grabungsarbeiten beendet. Es ging um die vor 13 Jahren in Portugal verschwundene kleine Maddie McCann.

Hannover

29.07.2020, 21:35 Uhr / Lesedauer: 3 min
Im Vermisstenfall Maddie McCann suchten Ermittler der Polizei und des BKA in einer Gartenanlage in Seelze nach Spuren.

Im Vermisstenfall Maddie McCann suchten Ermittler der Polizei und des BKA in einer Gartenanlage in Seelze nach Spuren. © picture alliance/dpa

Im Fall der verschwundenen Britin Maddie hat die Polizei ihre Grabungen in einem Kleingarten bei Hannover am Mittwochabend beendet. Ob etwas gefunden wurde, blieb zunächst unklar. Zwei Tage lang hatten Polizisten auf dem Grundstück das Erdreich mit Spaten und Harken durchkämmt. Auch ein kleiner Bagger, eine Mini-Raupe und eine Drohne kamen zum Einsatz.

Am Abend sagte ein Polizist am Ort, die Aktion, an der neben der Polizei aus Hannover und Braunschweig auch das Bundeskriminalamt (BKA) beteilt war, sei beendet. Daraufhin wurden auch die Sichtschutzwände zur Straße abgebaut.

Mordermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen

Die Grabungen stehen im Zusammenhang mit den Mordermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen, der derzeit in Kiel wegen anderer Delikte in Haft sitzt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit. Christian B. soll 2007 die dreijährige Madeleine McCann aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz entführt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kind tot ist. Nach dem Verschwinden der kleinen Britin wohnte der Verdächtige in Hannover. Nach Medienberichten lebte er zeitweise in einem Wohnmobil auf dem Gelände einer Autowerkstatt am wenige Kilometer entfernten Lindener Hafen.

Die Ermittler sagen nicht, welche Verbindungen Christian B. im Fall Maddie zu der Privatgarten-Parzelle in Seelze-Letter, kurz hinter der Stadtgrenze von Hannover hat. Sie äußerten sich bislang auch nicht dazu, was genau sie auf dem Grundstück suchten. Nach Medienberichten waren Anfang 2016 auf dem Gelände einer alten Kistenfabrik bei Magdeburg, das dem Verdächtigen gehörte, in einer Grube Speichermedien mit Missbrauchsbildern von Kindern entdeckt worden.

Fernsehteams aus aller Welt vor Ort

Fernsehteams und Fotografen von Medien standen am Mittwochnachmittag an der Sichtschutzwand, hinter der zahlreiche Polizisten arbeiteten. Neben der britischen Presse waren TV-Teams unter anderem aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden am Einsatzort. Die Familie von Madeleine McCann stammt aus England, daher hat der Fall besonders dort eine große Bedeutung.

Der britische Journalist des Senders „Sky“, Dan Whitehead, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Auch wenn es schon so lange her ist, gibt es im Vereinigten Königreich immer noch ein großes Interesse.“ So sei es einer der bisher wichtigsten Punkte in der Untersuchung, in den ganzen 13 Jahren seit Maddies Verschwinden.

Staatsanwaltschaft Braunschweig ist zuständig

Der Verdächtige äußert sich laut seinem Verteidiger nicht zu dem Vorwurf, Madeleine McCann entführt und ermordet zu haben. Das Landgericht Braunschweig hatte den 43-Jährigen Ende 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Demnach hatte er 2005 in Praia da Luz - dem späteren Entführungsort von Madeleine - eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist für den Fall zuständig, weil der mehrfach verurteilte Sexualstraftäter in der Stadt seinen letzten deutschen Wohnsitz hatte. Dort besaß der Mann von Oktober 2013 bis April 2016 einen Privatgarten. „Eigentlich war er unauffällig, er war immer freundlich und hat seine Gartenarbeit gemacht“, sagte der Vorsitzende des Gartenvereins Kennelblick, Jürgen Krumstroh, am Mittwoch der dpa. „Ich war geschockt, als ich bei der neuen Fahndung nach Maddie im Frühjahr auf einmal sein Bild gesehen habe.“

Seltsam sei nur sein Abschied aus der Gartenkolonie gewesen. „Er hat mir nachmittags die Kündigung gebracht, ist in seinen vollgepackten, randvollen Kleinwagen gestiegen, und danach habe ich nie wieder was von ihm gehört.“ Über den Braunschweiger Privatgarten hatte zunächst die „Braunschweiger Zeitung“ berichtet. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht dazu, ob Durchsuchungen auch in anderen Kleingärten geplant seien.

Wollte Christian B. einen „Fritzl-Keller“ in Braunschweig bauen?

In einem „Spiegel TV“-Bericht hatte unlängst ein alter Bekannter von Christian B. ein Kamerateam zu der Laube in Braunschweig geführt und behauptet, B. habe sich dort einen „Fritzl-Keller“ bauen wollen – eine Anspielung auf den Österreicher, der seine Tochter 24 Jahre lang in einer unterirdischen Wohnung gefangen gehalten und missbraucht hatte.

Bei den Grabungen auf dem Privatgarten-Gelände von Hannover waren bereits am Dienstag Fundamente weggebaggert worden. Ein Spürhund kam laut „Hannoversche Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) in einem Hohlraum unter einer alten Bodenplatte zum Einsatz. Gibt es einen „geheimen Keller“, wie die „Bild“-Zeitung schreibt? Julia Meyer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig, sagte der dpa: „Wir kommentieren die laufenden Maßnahmen zum Schutz der Ermittlungen nicht.“

Wie der Pächter der unmittelbar angrenzenden Nachbarparzelle der Deutschen Presse-Agentur sagte, war das Grundstück zuletzt unbenutzt. Es befand sich kein Gartenhaus mehr darauf, auf dem Gelände wuchsen Brombeerbüsche und ein Kirschbaum. Vor Start der Arbeiten hatte die Polizei den Baum fällen und Buschwerk entfernen lassen. In den zwei Jahren, in denen er seine Parzelle nutze, habe er auf dem Nachbargrundstück niemanden gesehen, sagte der Pächter.

RND