Versicherung hält 86-Jährige fälschlicherweise für tot

Nummer verwechselt

Diese Nachricht wird die Tochter wohl nicht so schnell vergessen: Die Frau aus Neuss erhält Unterlagen über die Nachlässe ihrer 86 Jahre alten Mutter. Sogar ein Todestag ist angegeben - und die Rentenversicherung bucht umgehend die Rente für mehrere Monate vom Konto der Mutter zurück. Dabei ist diese quicklebendig. Kein Einzelfall.

Neuss

12.09.2016, 12:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Todesanzeige: In Neuss wurde eine 86-Jährige fälschlicherweise für tot erklärt.

Eine Todesanzeige: In Neuss wurde eine 86-Jährige fälschlicherweise für tot erklärt.

Die Rentenversicherung hielt die 86-Jährige fälschlicherweise für tot und buchte deshalb die Rente für mehrere Monate von ihrem Konto zurück. Ein Sachbearbeiter habe die Versicherungsnummer der Frau mit der einer tatsächlich gestorbenen Rentnerin verwechselt, weil beide dasselbe Geburtsdatum hatten, sagte Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, Jochen Müller, am Montag.

„In so einem Fall können die Nummern bis auf wenige Stellen identisch sein. Der Kollege hat das leider übersehen.“ Zudem habe die Neusserin auf mehrere Schreiben nicht geantwortet.

Die Behörde in Düsseldorf entschuldigte sich inzwischen für den Fehler. Die Beträge seien nachgezahlt worden. „Wir bedauern sehr, dass die Familie durch das Versehen einen solchen Schreck bekommen hat“, sagte Müller. Dem Zeitungsbericht zufolge hatte die Tochter der 86-Jährigen bemerkt, dass plötzlich rund 6000 Euro auf dem Konto fehlten.

Falscher "Todesfall" kein Einzelfall

Bereits vor etwa einem Monat ereignete sich ein ähnlicher Fall in Halle. Damals hatte das Klinikum Halle in Westfalen per Tippfehler eine Patientin fälschlicherweise für tot erklärt. In einem Schreiben an die Krankenkasse hatte das Sekretariat der Klinik versehentlich die Abrechnungsnummer für plötzlichen Herztod statt der korrekten Diagnose angegeben, wie ein Sprecher des Klinikums nach Bekanntwerden des Falls bestätigte.

Die nächsten Angehörigen der Seniorin hatten daraufhin einen Brief erhalten, in dem die Krankenkasse sie nach deren angeblichen Tod informierte, dass die Versicherung nun erloschen sei. Der bedauerliche Fehler sei in großer Hektik geschehen, erklärte der Kliniksprecher.

Falscher Tastendruck und Verwechslungen

Im März dieses Jahres wurde außerdem ein Rentner in Sprockhövel (Ennepe-Ruhr-Kreis) für tot erklärt - obwohl er quicklebendig war. Ursache war - ähnlich wie im Fall des Klinikums Halle - ein falscher Tastendruck, ausgeführt von einem Mitarbeiter der AOK. Die Folgen: Nachdem die Krankenversicherung automatisch die Rentenversicherung und die Stadtverwaltung benachrichtigt hatte, erhielt die vermeintliche Witwe ein Beileidsschreiben der Stadt und der Rentner keine Rente samt Aufstockungsgeld mehr. "Es war ein menschliches Versehen eines Mitarbeiters", sagte ein AOK-Sprecher nach Bekanntwerden des Falls.

Damit nicht genug der kuriosen Fälle: So überbrachte ein Krefelder Klinikum im Januar dieses Jahres einer Familie fälschlicherweise eine Todesnachricht. Mitten in der Nacht war die Tochter einer Krebspatientin von einer Ärztin angerufen und über den Tod ihrer Mutter unterrichtet worden. Doch die Mutter lebte. Grund für die falsche Todesnachricht war eine Verwechslung.

dpa/obr