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Verteidiger kritisieren "unfaires Verfahren"

Zwillinge-Prozess

Im Prozess um ein misshandeltes Zwillingspärchen aus Recklinghausen haben die Verteidiger am Montag einseitige Ermittlungen moniert. Obwohl von Anfang an gegen drei Verdächtige ermittelt wurde, seien allein die Eltern (19 und 26 Jahre) angeklagt worden.

BOCHUM

23.11.2015
Verteidiger kritisieren "unfaires Verfahren"

Das Foto zeigt die angeklagten Eltern zum Prozessauftakt am Bochumer Landgericht. In der Mitte: Verteidiger Jens Tuschhoff.

Die Kritik wurde am Bochumer Landgericht direkt nach dem „schweigenden“ Zeugenauftritt des Großvaters der Zwillinge (heute neun Monate alt) laut. In dessen Wohnung in Recklinghausen hatten die angeklagten Eltern bis zum Mai mit den Babys gelebt. Weil der Opa regelmäßig mit den Säuglingen auf der Wohnzimmercouch übernachtet haben soll, gehörte er von Anfang an auch zum Verdächtigen-Kreis.

"Hinweise auf Gewaltbereitschaft des Großvaters"

Dass der 51-Jährige nun aber nicht mit auf der Anklagebank sitzt, sondern sein Ermittlungsverfahren separat auf Eis liegt, wertet das Verteidiger-Trio Arabella Liedtke, Edgar Fiebig und Jens Tuschhoff als „unfaires Verfahren“. Aus den Akten gehe ja sogar hervor, dass dem Opa mal ein Baby nachts von der Couch gefallen ist. In den Ermittlungen habe man sich aber offenbar früh auf die Eltern als einzige Täter festgelegt. Anwalt Edgar Fiebig: „Hinweise über die Gewaltbereitschaft des Opas wollte schon bei der Polizei niemand hören.“ Da der Großvater nun Zeuge und nicht Angeklagter sei, gingen im Prozess wertvolle Informationen als unverwertbar unter.

Staatsanwalt Danyal Maibaum konterte die Unfairness-Attacken als „Unfug“. Bei Anklageerhebung habe es beim Großvater am notwendigen Tatverdacht gefehlt. Eine spätere Anklage sei ja keinesfalls ausgeschlossen.

Die Zwillinge waren am 19. Mai mit lebensgefährlichen Verletzungen (Knochenbrüche und massiv unterernährt) in die Dattelner Kinderklinik eingeliefert worden. Eines der Mädchen wird sich laut Anklage schwer behindert entwickeln. Die wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und schwerer Körperverletzung angeklagten Eltern schweigen im Prozess. Mit einem Urteil ist frühestens im Februar 2016 zu rechnen. 

 

von dpa

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