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Vertraut mit dem Tod

EVING Angst vor dem Tod: Nein, die haben Thorsten Dreier (38) und Heike Hibbeln nicht. Denn der Prokurist und die Geschäftsführerin der Hibbeln Bestattungen GmbH werden täglich mit ihm konfrontiert - und das hautnah.

von Von Petra Frommeyer

, 02.11.2007
Vertraut mit dem Tod

<p>Auch ausgefallene Wünsche wie zum Beispiel eine BVB-Urne erfüllen die Bestatter.</p>

"Der Mensch ist ein Gewohnheitswesen. Dennoch gibt es hier nie Fließbandarbeit", sagt Thorsten Dreier. Oft ist er es, dem ein verstörter und fassungsloser Angehöriger am Schreibtisch gegenübersitzt.

Im Trauerfall reagieren die Hinterbliebenen immer unterschiedlich. Manche weinen, viele sind völlig mutlos, andere verfallen in hektische Betriebsamkeit.

Da ist ein hohes Maß an Sensibilität gefordert. "Ich versuche im Gespräch manchmal auch ganz vorsichtig eine positive Seite anzusprechen. Wieviel Leid und Schmerzen dem Verstorbenen und damit auch den Angehörigen vielleicht erspart worden sind. Und wenn mein Gegenüber nur einmal lächelt, weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe."

Aber es gibt auch Situationen, die die Bestatter selbst an ihre Grenzen bringen. "Wenn es um Kinder geht, dreht sich einem das Herz im Leibe herum", sagen Dreier und Hibbeln unisono. "Da kann man die nötige Distanz kaum einhalten, man denkt sofort an die eigenen Kinder."

Firma fordert ganze Kraft

Dann wird es auch schwer, die Emotionen nicht mit nach Hause zu nehmen. Thorsten Dreier versucht es dennoch eisern. "Ich schalte ab und lasse meine Frau und natürlich meinen Nachwuchs völlig außen vor." Groß ist die Betroffenheit auch, wenn der Trauerfall im Bekannten- und Freundeskreis oder gar in der eigenen Familie eintritt. Heike Hibbeln musste diese schlimme Erfahrung machen, als ihr Ehemann Volker, der Motor des Betriebes, starb. "Da funktioniert der Selbstschutz nicht mehr." Trotz eigener Trauerbewältigung forderten die Firma und die Verantwortung für die Mitarbeiter ihre ganze Kraft.

Zu bewundern sind auch ihre Kinder. Meik (17) und Romina (20) absolvieren eine dreijährige Ausbildung zu Bestattungsfachkräften. Sie sind mit dem Tod wie selbstverständlich in der Nähe des Traditionsunternehmens, das 1920 gegründet wurde, aufgewachsen.

Tod ist kein Tabu-Thema mehr

Jetzt ist er ihnen näher denn je: Sie haben unmittelbaren Kontakt zu Verstorbenen, holen die Leichname ab, meistens aus dem Krankenhaus, immer seltener von zu Hause. Sie lernen, sie hygienisch zu versorgen und sie einzukleiden.

Der Tod ist schon lange kein Tabu-Thema mehr, das Lebensende hat etwas von seinem Schrecken verloren. Diese Entwicklung verfolgen Thorsten Dreier und Heike Hibbeln. "Immer mehr Menschen wollen vorsorgen und die Angehörigen, die im Fall der Fälle unter psychischem Druck stehen, entlasten", berichtet Dreier. "Der Bestattungsvorsorge-Vertrag regelt alles. Und keineswegs nur ältere Menschen nehmen ihn immer öfter in Anspruch."

"Ehre die Toten und diene den Lebenden". Nach diesem Motto arbeiten alle Hibbeln-Mitarbeiter - vom Überführungsfahrer über den Steinmetz bis zur Trauer-Floristin.